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PR-Expertin Dr. Katja Scheidt fragt nach...
Corporate Twittern II – Risiken und Lösungsansätze für die Verlagskommunikation
In einem ersten Teil zum Thema „Twittern“ haben Sie Informationen darüber erhalten, was Twittern eigentlich ist, welche Zielgruppen Sie mit Twitter-Nachrichten erreichen können und welche ersten Tipps im Umgang mit dem neuen Medium wichtig sind. Mittlerweile ist die neue Form des Web 2.0 ein Stück weit etablierter, erste Erfahrungen stellen sich ein, sowie erste Erfolge und Misserfolge von Twitter-Nutzung im Rahmen der Verlags- und Unternehmenskommunikation.
Daher legt der heutige Beitrag einen Schwerpunkt auf die Thematisierung von zentralen Risiken des Twitterns und zeigt Ihnen erste Handlungsoptionen auf, die das Twittern erleichtern und genannte Risiken minimieren können.

Risiko I: Unbedarftes Twittern von Mitarbeitern und Kollegen

Mittlerweile ist in vielen Unternehmen zu beobachten, dass einzelne Mitarbeiter und/oder Abteilungen einen Twitter-Account einrichten, ohne dass der PR-Verantwortliche oder die PR-Abteilung davon Kenntnis hat. Sie werden erst darauf aufmerksam, wenn sich Journalisten (eine bei Twitter sehr stark vertretene Berufsgruppe!) mit ganz speziellen Anfragen oder mit Fragen zu einem noch nicht offiziellen Thema an die Pressestelle wenden (vgl. www.pr-journal.de/images/stories/downloads/kompendium corporate twitter_joerg hoepfner_ beitrag 4.pdf).
Der via Twitter kommunizierende Mitarbeiter gilt für Außenstehende als Experte des Verlags oder des Unternehmens, seine Produkte und Dienstleistungen. Insbesondere in Krisenzeiten sollte man die Sprecherfunktion des Mitarbeiters nicht unterschätzen (vgl. ebd.), unabhängig davon, in welcher Abteilung und in welcher Position der Mitarbeiter tätig ist! Ergänzend dazu besteht immer das Risiko, dass Mitarbeiter von Verlagen oder anderen Unternehmen mit Freunden oder Bekannten über Interna twittern, deren Tweeds jedoch jederzeit auch von Außenstehenden gelesen werden können: von Journalisten, Konkurrenten etc.
In jedem Fall ist die Aufklärung der Mitarbeiter ein entscheidender Handlungsansatz, um Probleme zu minimieren. Je ausführlicher Mitarbeiter über das Thema informiert sind, desto bewusster werden sie mit dem neuen Medium umgehen. Workshops und Schulungen zum Thema „Twitter“, dessen Chancen und Risiken sollten daher für alle Mitarbeiter eines Verlages verpflichtend angeboten werden. Nutzungs-Richtlinien können erstellt und in den Organisationsablauf integriert werden. Um Missverständnisse auch arbeitsrechtlich zu vermeiden, weisen Juristen darauf hin, das Thema „Twitter und den vertraulichen Umgang mit Unternehmensinformationen“ auch in jeden Arbeitsvertrag aufzunehmen (vgl. ebd.). Die in nahezu jedem Vertrag verklausulierten Verhaltensrichtlinien und Geheimhaltungsvereinbarungen eines Verlages oder anderer Unternehmen decken das Thema „Twittern“ ebenfalls ab. Von absoluten Twitter-Verboten (im Privaten wie im Beruflichen) wird jedoch abgeraten!

Risiko II: Vernachlässigung des Twitter-Accounts

Erfolgreich Twittern im Rahmen der PR-Strategie funktioniert nur, wenn regelmäßig, kontinuierlich und aktuell kommuniziert wird. Verlage und Unternehmen, die diesen Dialog mit den Followern nicht ernst nehmen, nicht schätzen und nicht fördern, werden mittelfristig auch keinen Erfolg erzielen. Die Follower fühlen sich im Falle einer mangelnden Aktualisierung über Stunden oder gar Tage vernachlässigt – der gewünschte Effekt des Twitterns bleibt aus (vgl. ebd.).
Haben Sie bzw. hat sich Ihr Verlag daher für die Nutzung des Kommunikationstools „Twitter“ entschieden, gibt es nur eins: kontinuierliche Zielgruppenpflege. Bestimmen Sie einen vertrauensvollen Verantwortlichen, der täglich alle Tweeds verfolgt, bei Kritik oder Problemen via Retweet Hilfe oder Information anbietet und bestimmen Sie auch einen Stellvertreter, der bei Abwesenheit oder Krankheit des Verantwortlichen den Twitter-Account pflegt.

Risiko III: Mangelndes Monitoring

Viele Verlage und Unternehmen unterschätzen die Wirkung von Twitter-Aussagen, wenn sie selbst keinen aktiven Twitter-Account besitzen. Aufgrund der hohen Nutzerzahlen sowie aufgrund der Schnelligkeit des Informationsaustausches und des Dialogs sollten jedoch alle Unternehmen den Twitter-Dienst einem regelmäßigen (idealerweise einmal täglichen) Monitoring unterziehen, um ggf. negativen Tendenzen oder falschen Informationen entgegenwirken zu können (vgl. ebd.). Die schnelle Kommunikation bringt dann den Erfolg. Aber Vorsicht: Sowohl der Versand von werblichen Informationen als auch der Anstoß einer regelrechten Informationsflut bringen hier keine Lösung. Gezielte – wenn auch schnelle – Kommunikation ist gefragt.
Allein die Ausführung dieser größten Risiken zeigt, dass ein Twitter-Engagement strategisch geplant und zielgerichtet und konsequent durchgeführt werden sollte. Das größte Risiko in Deutschland scheint nach wie vor die mangelnde Kompetenz und das fehlende Wissen von PR-Verantwortlichen bzw. Unternehmensverantwortlichen im Umgang mit dem neuen Medium zu sein. Daher der wohl wichtigste Rat: Bevor Sie über einen Twitter-Account nachdenken, informieren Sie sich, lesen Sie sich ein, schauen Sie sich Fallbeispiele anderer Unternehmen an und planen Sie ein solches Engagement ebenso strategisch durch wie alle anderen PR-Maßnahmen auch. Dann kann Twitter eine interessante und spannende Bereicherung Ihrer PR-Arbeit werden.

Viel Spaß, vor allem Erfolg und Ihnen allen ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Jahr 2010 wünscht
Dr. Katja Scheidt




ks@prgalerie-scheidt.de
www.prgalerie-scheidt.de
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