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Profi des Monats: 09.01.2008
Kathrin Bucher
Jeden Monat stellen wir Ihnen Profis aus der Buchbranche vor. In diesem Monat lesen Sie das Portrait von Kathrin Bucher. Sie verantwortet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit , die Mitgliederbetreuung Hessen und ist zuständig für die Leseförderung beim Landesverband Hessen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Programmhighlight der Saison:
Der „Feiertag“ der Branche, der Welttag des Buches, am 23. April ist eines unserer Highlights. Neben den vielen Aktionen, über die bundesweit berichtet wird, organisieren wir an unserem Verbandssitz in Wiesbaden seit 2004 zusammen mit unseren Partnern, dem Literaturhaus Wiesbaden und acht Wiesbadener Buchhandlungen, ein großes Familien-Lesefest im Tier- und Pflanzenpark Fasanerie. Unter dem Motto „Wer liest denn da im Wald?“ wird in einem Lesezelt ein Fest rund ums Lesen mit halbstündig wechselnden Programmpunkten geboten. Nicht zuletzt dank der redaktionellen Begleitung durch die örtliche Presse hat sich diese Veranstaltung schon fast zur Institution entwickelt und wird von Familien mit Kindern sehr gut angenommen.

Welche Aktion oder Kampagne ist in der Presse besonders gut gelaufen, obwohl Sie das nicht erwartet hätten.
Spontan fällt mir eine Aktion auch wieder im Zusammenhang mit dem Welttag des Buches ein, die allerdings schon einige Zeit zurück liegt. 2003 ließen verschiedene Veranstaltungspartner das „schnellste Buch der Welt“ herstellen. Um 7:45 wurde das Anthologiethema mehr als 40 deutschsprachigen Autorinnen und Autoren - unabhängig davon, an welchem Ort auf der Welt, sie sich gerade aufhielten - genannt mit der Bitte zwei Seiten dazu zu schreiben. Von 10:00 Uhr an wurde lektoriert, ab 12:00 Uhr wurde auf historischen Druckmaschinen und in Handarbeit das Buch produziert, das dann mit der Bahn und Autos an acht Veranstaltungsorte in Deutschland geliefert wurde, u.a. zu uns nach Wiesbaden für eine Abendveranstaltung zum Welttag des Buches. Die Entstehung des Buches im Zeitraffer sollte zeigen, wie viele Arbeitsschritte notwendig, wie viele Menschen an der Herstellung eines Buches beteiligt sind - was sehr oft vergessen wird, da meist nur im öffentlichen Bewusstsein ist, was auf dem Cover steht: Autorenname und Verlag.
Unsere Pressemeldung war kaum verschickt, da gab es schon die ersten Interviewwünsche. Die Telefone standen nicht mehr still. Auf dieses Thema haben sich die Medien gestürzt. Mit dieser Resonanz hatten wir vorab nicht gerechnet.

Wer ist Ihr/e Lieblingsautor/in?
Da gibt es einige: Uwe Johnson, Dieter Forte, Walter Kempowski, Thomas Bernhard. Ich lese auch sehr gerne Romane englischsprachiger Autoren, z.B. Louis Begley, John Irving, Jeffrey Eugenides, Ian McEwan, Julian Barnes. Außerdem komme ich in regelmäßigen Abständen immer wieder auf einen großen Franzosen zurück: Gustave Flaubert

Welches Buch haben Sie privat zuletzt gelesen?
„Rummelplatz“ von Werner Bräunig


Welches Buch hat Sie als Person besonders beeinflußt bzw. vorangebracht?
Das Kinderbuch „Kater Mikesch“ von Josef Lada, das mich zum Lesen gebracht hat. Im ersten Schuljahr klappte es mit dem Lesen nicht so besonders gut bei mir. Alle Kinder, die einen Abschnitt im Lesebuch fertig gelesen hatten, durften sich aus einem Schrank im Klassenzimmer ein Buch nehmen und allein darin schmökern. Ich kam nie bis zu diesem Schrank, weil ich mit meiner „Pflichtübung“ nie rechtzeitig fertig war. Das änderte sich erst, als ich „Kater Mikesch“ geschenkt bekam. Die Geschichte vom Kater, der sprechen konnte, legte ich nicht mehr aus der Hand, bis ich das Buch ausgelesen hatte. Es war das richtige Buch zur richtigen Zeit für mich. Von da an wagte ich mich an alles. Seit damals hat mich die Leselust nicht mehr verlassen. Ich bezeichne mich manchmal als „Kettenleserin“. Ich habe immer ein Buch „in Arbeit“. Eines gibt Anregung zur Lektüre für das nächste. Die Frage: „Was könnte ich denn mal lesen? stellt sich mir eigentlich nie. Eher treibt mich die Frage um, reicht meine Lebenszeit aus, um all das zu lesen, was ich noch lesen möchte.

Skizzieren Sie bitte kurz Ihre wichtigsten beruflichen Stationen?
Nach einer Ausbildung zur Sortimentsbuchhändlerin arbeitete ich einige Jahre in einer wissenschaftlichen Buchhandlung und leitete dort die geisteswissenschaftliche Abteilung. Dann wechselte ich in die Marketingabteilung eines Fachverlags und war dort mehrere Jahre verantwortlich für die Werbemittelproduktion. Seit 2002 bin ich für den Landesverband Hessen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels tätig. Zu meinen Aufgaben gehört u.a. die Pressearbeit.

Seit wann sind Sie in der Branche?
Seit einem Vierteljahrhundert

Was gefällt Ihnen an der Branche besonders?
Die Ware mit der wir es zu tun haben und der Umgang mit all denjenigen, die an ihrer Entstehung und ihrer Verbreitung beteiligt sind.

Ihr Lieblings- oder Lebensmotto?
Wechselnd je nach Lebenslage. Derzeit passt ganz gut: Wer den Kern essen will, muss die Nuss knacken.

Welches war das ärgerlichste oder das schönste Erlebnis mit einer/einem Journalisten/in?
Ärgerlich sind Fragen von Journalisten, die erkennen lassen, dass sie„geschickt wurden“, aber am Thema, an den beteiligten Personen etc. überhaupt kein Interesse haben. Entsprechend liest sich dann auch der Artikel und man kann froh sein, dass man nicht völlig falsch zitiert wurde.

Was ist das Besondere an der Verbandsarbeit?
Der Börsenverein vertritt die Interessen des herstellenden und des verbreitenden Buchhandels. Es ist eigentlich ungewöhnlich für einen Unternehmensverband, mehrere Handelsstufen einer Branche unter einem Dach zu vereinen. Widerstreitende Interessen sind nicht selten. Aber gerade dies ist das Besondere an unserer Arbeit. Alle immer wieder „unter einen Hut zu bekommen“. Diplomatisches Geschick und Fingerspitzengefühl sind deshalb sehr wichtig.

Sind Sie in einem Netzwerk organisiert?
Ich bin Mitglied im AVP, dem Arbeitskreis der VerlagspressesprecherInnen.

Wie gehen Sie mit dem alltäglichen Streß um?
Ein Spaziergang in der Mittagspause rund um den großen Teich im Wiesbadener Kurpark hilft, die Gedanken zu ordnen und die „Maschine“ wieder auf normale Betriebstemperaturen zu bringen.

www.hessenbuchhandel.de


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