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Profi des Monats: 02.12.2009
Ida Schöffling
Jeden Monat stellen wir Ihnen Profis aus der Branche vor. In diesem Monat lesen Sie das Portrait von Ida Schöffling, Verlegerin und Verantwortliche für die Pressearbeit bei Schöffling & Co.

Mit dem Verlag verheiratet. Ida Schöffling und ihr Verlag.

Frankfurt am Main im November. Ich gehe die Kaiserstraße entlang Richtung Innenstadt und finde mein Ziel schnell. Der Verlag Schöffling & Co. liegt in einem der Prunkaltbauten in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Im Treppenhaus leiten Hinweisschilder zum sicher schmalsten Aufzug Frankfurts, der allerdings stur am ersten Stock vorbei fährt, wo ich verabredet bin. Also wieder nach ganz unten und doch die Treppen nehmen. Dann bin ich endlich da, werde freundlich empfangen und einen langen Korridor entlang geschickt. Irgendwo dahinten muss sie sein, die Dame, der meine ganze Aufmerksamkeit gilt: Ida Schöffling, Verlegerin und Pressechefin des Verlags Schöffling & Co. Plötzlich steht sie vor mir, ganz in frisches Grün gekleidet und bittet mich lächelnd, an einem kleinen Tisch in ihrem riesigen Büro Platz zu nehmen. Es kann losgehen.

Ich frage sie, ob es sehr schwer war, noch einmal von vorne zu beginnen, damals 1994, als der Verlag von ihr und ihrem Mann Klaus Schöffling gegründet wurde. Dazu muss man wissen, dass die beiden bereits 1987 zusammen mit Ulrich Sonnenberg die Frankfurter Verlagsanstalt ins Leben gerufen hatten. Fünf Jahre später verließ das Ehepaar Schöffling die Verlagsanstalt, als der Hauptgesellschafter das Unternehmen an sich riss. Ohne Verlag blieben die beiden nicht lange. Bereits ein Jahr später war der neue Verlag gegründet, der ihren Namen trägt. Das Co. bezieht sich auf Eva Demski, neben Burkhard Spinnen, Reinhard Kaiser und Juli Zeh einer der Stars des Verlags. „Nein“, antwortet Ida Schöffling, „es war eigentlich nicht so schwer, weil wir bereits in der Zeit der Frankfurter Verlagsanstalt eine Reihe von Autoren aufgebaut hatten, die mit ihren ersten Werken zu Schöffling gekommen sind. Diese Autoren waren dann der Stamm für den neuen Verlag. Wir mussten also nicht wieder ganz bei Null anfangen.“

Seither behauptet sich der rein literarische Verlag erfolgreich am Markt. Er gilt als kleines, feines Haus, das seine Autoren entdeckt, hegt und pflegt, sie großzieht und dann mit ihnen verbunden bleibt.

Aufbau der Pressearbeit im Kinder- und Jugendbuchbereich bei S. Fischer

Von Beginn an war klar, dass Ida Schöffling die Pressearbeit für den neuen Verlag übernehmen würde. Ursprünglich kommt sie aus dem Buchhandel, arbeitete dann erfolgreich als Lektorin beim Luchterhand-Literaturverlag und später bei S. Fischer, wo sie eine Jugendbuchreihe etablierte. Inzwischen gibt es dort eine große funktionierende Jugendbuchabteilung. Damals war das etwas völlig Neues.
Pressearbeit habe sie immer interessiert. Und da der S. Fischer-Verlag zwar über eine riesige Presseabteilung und ein riesiges Kontaktarchiv verfügte, aber überhaupt nicht auf Kinder- und Jugendbücher eingestellt war, hat sie damals einfach eine Pressekartei erstellt. Weil niemand sich so richtig dafür verantwortlich gefühlt habe. „Ich habe also die Kartei erstellt und gesagt, wer welche Rezensionsexemplare bekommt und so weiter. Insofern war eine gewisse Affinität schon da.“

Verlegerin und Presseverantwortliche

Für Ida Schöffling ist es eine perfekte Mischung, als Verlegerin und Presseverantwortliche tätig zu sein. „Wenn man für das Programm verantwortlich ist und dann mit diesem Wissen an die Presse geht, ist man noch viel besser in der Materie als jemand, der ,nur‘ die Fahnen vorher liest.“
Sie und ihr Team arbeiten mit den Autoren, haben sie zum Teil entdeckt, haben die Manuskripte lektoriert und wissen viel mehr Hintergründe, als sich das jemand ad hoc erarbeiten kann. Natürlich könne man das auch, aber auf diese Weise sei sie einfach näher dran.

Obwohl das Verlegerehepaar der Presse bereits bekannt war, haben sie dennoch mit jedem Programm neu anfangen müssen. Von einer riesigen Backlist konnte nicht gezehrt werden, es gab zunächst noch keine großen Stars und von vielen Autoren war noch unklar, wie sie sich entwickeln würden. Der solide Autorenstamm, den Schöffling & Co. heute vorzuweisen hat, musste erst erarbeitet werden. Und wenn der eigene Verlag kein Traumprojekt der beiden gewesen wäre, dann hätten sie sich vielleicht hin und wieder entmutigen lassen von dem, was da vor ihnen lag.

Kritiker ernst nehmen

Im Gegensatz zu vor 16 Jahren sei es heute schwieriger geworden, Gedichte oder Erzählungen zur Rezension in den Zeitungen unterzubringen. „Wissen Sie, Literatur ist etwas, das der Mensch nicht braucht. Davon müssen wir ausgehen. Der Mensch muss essen, er muss seine Miete bezahlen können, er muss es warm haben, aber lesen muss er nicht, d. h. das, was ein junges, schwieriges Programm braucht, nämlich die Unterstützung der Presse, das ist schwieriger zu bekommen. Es gibt in Deutschland maximal fünf Rezensenten, die Lyrik besprechen.“
Nichtsdestotrotz werden die Bücher des Schöffling-Verlags häufig und gut besprochen. Das liegt sicher an der Philosophie, mit der die Verlegerin Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Das Wichtigste ist ihr die Kenntnis der Leute, mit denen sie es zu tun hat. „Ich kann nicht zu einem Redakteur hingehen und nicht wissen, dass er inzwischen drei Bücher veröffentlicht hat. Ich sollte sie möglichst auch gelesen haben.“ Sie nimmt die Journalisten ernst und signalisiert ihnen ihre Wertschätzung. Das Wissen um die Persönlichkeit eines Kritikers hilft ihr auch dabei, ihre unterschiedlichen Titel punktgenau zu platzieren. Und selbstverständlich reist sie zweimal im Jahr durch die Redaktionen und stellt das Verlagsprogramm vor.

„Wir lassen das einfach mal ein bisschen auf uns zukommen."

Das aktuelle Verlagsprogramm gibt es als kostenlosen Download auf der Website des Verlags. Das Internet wird auch hier immer wichtiger für die alltägliche Verlagsarbeit. Ein Großteil der Kommunikation wird via E-Mail abgewickelt, der monatliche Newsletter, der an über 1000 Leute adressiert ist, nimmt den Weg durch das Netz. Eine gute Erfindung, die aber dennoch nicht verhindern kann, das die Verlegerin ab und an einen Föhn bekommt, wenn ihr ausgerechnet ein Online-Redakteur verkündet, sie solle doch bitte die Vorschau als Papierprospekt schicken. Man wolle sich halt doch lieber auf's Sofa setzen und ein bisschen blättern. Ist natürlich Ehrensache, dass er es dann auch bekommt.
Das Bereitstellen von E-Book-Varianten ihrer Bücher sind die Schöfflings bislang noch nicht angegangen: „Wir lassen das einfach mal ein bisschen auf uns zukommen. Was unser Haus sehr pflegt, ist, dass sehr viele unserer Bücher mit Erscheinen auch gleich als Hörbuch erhältlich sind. Aber E-Books sind natürlich etwas ganz anderes.“ Auf Reisen findet es Ida Schöffling als Erleichterung, nicht soviel Papier herumschleppen zu müssen, aber ihr ist die Technik der Lesegeräte noch zu unausgereift. Man kann nichts anstreichen und sie hält es zumindest für denkbar, dass diese Entwicklung wieder in Vergessenheit gerät. Denn wer, so fragt sie, wolle sich schon mit einem empfindlichen elektronischen Gerät gemütlich an den Strand legen?

"Ich arbeite eigentlich immer"

In einem Interview las ich vor unserem Gespräch, dass Ida Schöffling immer von Büchern umgeben sei. Hier im Verlag ist das sehr eindrucksvoll zu bestaunen und zuhause kann es nicht anders sein. Mich interessiert, wobei sie abseits der Bücherwelt entspannen kann. „Ich bin gerne im Garten“, antwortet sie schlicht und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu, dass der, Gott sei Dank, so klein, sei, dass er auch für arbeitswütige Menschen zu bewältigen sei. Zwischendurch halte sie inne, um ihren Rücken zu schonen und um – wie könnte es anders sein – in den Manuskripten und Büchern zu lesen, die sie immer bei sich hat.

Ein Lebens- bzw. Arbeitsmotto hat Ida Schöffling nicht. „Ich arbeite einfach immer. Zwar bedeutet das Führen eines eigenen Verlages die Verwirklichung eines Traumes, aber es muss wirklich immer gearbeitet werden. Und erst vor einiger Zeit habe ich gesagt, dass ich nicht jeden Sonntag im Verlag sein möchte, weil ich auch gerne mal im Garten sein möchte. Die Arbeit begleitet einen überallhin.“
Gemeinsamen Urlaub nehmen sich die Schöfflings nur selten. Einer von beiden ist immer eingespannt. Freie Zeit gibt es höchstens zu Weihnachten und da bleiben sie am liebsten zuhause. Das sehen sie vermutlich weniger oft als den Verlag.
Ihr Lebensprojekt wächst und gedeiht - mittlerweile können sie sich auch ab und an den Luxus leisten, im Sommer ein wenig zu verreisen. Wohin wird nicht verraten.

Text von Janine Bach



www.schoeffling.de


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