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| Profi des Monats: 02.03.2010 |
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| Steffen Meier |
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Jeden Monat stellen wir Ihnen Profis aus der Branche vor. In diesem Monat lesen Sie das Portrait von Steffen Meier, Online-Marketing im Ulmer Verlag.
Kennen Sie Steffen Meier? Nein? Dann sind Sie wahrscheinlich kein Twitterer, denn Buchmenschen lernen ihn in dem beliebten Microblogging-Dienst (s. Glossar unten) fast zwangsläufig kennen. Zunächst „nur“ virtuell, später vielleicht auch live auf Branchen-Events oder einfach bei einem gemeinsamen Kaffee.
@steffenmeier on Twitter
Steffen Meier sieht sich selbst als „Twitter-Zwitter“: Er twittert als Person unter eigenem Namen, steht aber in der Funktion als Leiter des Online-Bereichs auch für den Ulmer Verlag. Oft berichtet er aus dem Arbeitsalltag, von Reisen zu Geschäftspartnern, Messen und über gesellige Filmabende mit Kollegen. Dabei verbringt der 44-Jährige weniger Zeit mit Social Media als die meisten Zwitscherpartner denken: täglich eine halbe bis Dreiviertelstunde bei Xing, Twitter und Facebook zusammen, in dieser Reihenfolge. Er benutzt drei Zeit sparende Hilfsmittel: den Twitter-Client Seesmic, Tweetie auf dem iPhone und das bit.ly bookmarklet, das auf einen Klick Links verkürzt. „Die Versuchung, zuviel Zeit dafür zu investieren, ist natürlich groß“, weiß er. Andererseits: „Ich habe früher viel RSS-Feeds gelesen; inzwischen erreichen mich die wichtigen Infos über die Sozialen Netzwerke, oft noch gekrönt von einer persönlichen Empfehlung.“ Er bestellt daher immer mehr Feeds ab und spart damit Zeit.
Auch der Verlag hat einen eigenen Twitter-Account (@ulmerverlag), hinter dem sich Mitarbeiterin Ulrike Strölin (auch @ustue) verbirgt, sowie verschiedene thematische Accounts. Noch ist alles in der Testphase. Aber wenn das Medium später für eine Zielgruppe wichtig werde, argumentiert Steffen Meier, dürfe der Verlag nicht erst bei Null anfangen, sondern müsse schon da sein und Erfahrung gesammelt haben.
Xing und Facebook
Facebook und Xing sind für die Onliner von Ulmer noch kein Top-Thema. Hier tummelt sich allerdings schon die B2B-Zielgruppe, also Gartenbauer und Landwirte. Sobald die Strategie steht, wird der Verlag den Auftritt ausbauen: „Wir sind uns bei Facebook aber noch uneinig, auf welcher Ebene wir operieren wollen.“ Der Account des Verlags sammelt schon fleißig Freunde; auf der Fanpage passiert noch relativ wenig. Für Mitte 2010 ist ein Projekt anvisiert, für das wahrscheinlich eine Subfanpage angelegt wird: Eine Autorin lässt ihre Zielgruppe an der Entstehung ihres nächsten Buches teilhaben, auch um herauszufinden, welche Inhalte interessieren.
Der ständige Blick auf die Zukunft
Auch für E-Books heißt Steffen Meiers Credo: „Frühzeitig einsteigen, nicht nur im Tagesgeschäft bleiben und totes Holz bedrucken.“ Letzten Endes entscheiden die Zielgruppen über das Medium. Und diese bevorzugten vielleicht auch in zwanzig Jahren noch bestimmte Informationen auf Papier, interessierten sich aber schon mehr und mehr für digitale Produkte. Vergriffene Titel sollen in Zukunft als E-Books zugänglich gehalten werden, vor allem Long Tail Books, also selten verkaufte Bücher zu Nischenthemen. Mikrozielgruppen wird Ulmer wahrscheinlich durch E-Books ohne Print-Pendant bedienen können. Steffen Meiers Paradebeispiel sind Prachtguramis, kleine, farbenprächtige Fische aus Südostasien, und ihre Fans, etwa zwei- bis dreitausend Aquarianer. Aber auch E-Books sind in der Entwicklung noch teuer. Steffen Meier sieht solche Pläne daher als Investitionen in die Zukunft. Auch beim Thema Mobile, mit dem sich die Onliner von Ulmer zur Zeit intensiv beschäftigen, ist Steffen Meiers Stichwort: Erfahrungen sammeln. „Wir wissen, das ist noch kein großes Geschäftsfeld, aber eines, das kommen wird. Wir müssen jetzt die Strukturen schaffen, um in ein oder zwei Jahren mit entsprechenden Applikationen an den Markt zu gehen.“
Mit welchen dieser Projekte seine Abteilung in fünf bis zehn Jahren wie viel Geld verdient, wagt Steffen Meier nicht vorherzusagen: „Es wird wahrscheinlich eine Mischung sein: aus digitalen Services und digitalen Inhalten.“
Websites und Content Management System
Als die Gruppe Onliner um Steffen Meier vor zehn Jahren das Ulmer CMS, ein verlagseigenes Content Management System, entwickelte, war ebenso wenig abzusehen, welch wichtiges Geschäftsfeld daraus werden würde. Nicht nur betreibt Ulmer inzwischen etwa vierzig eigene Websites. Betriebe der Grünen Branche wurden damals bald auf den Webauftritt aufmerksam und fragten nach der Technologie. Inzwischen nutzen etwa fünfzig Unternehmen das CMS, in Ausschnitten oder komplett. Außerdem versorgt Ulmer beispielsweise in Zusammenarbeit mit einem großen Anbieter von Warenwirtschaftssystemen im Gartenbau dessen Kunden mit einem angekoppelten Shop-System. Auch Verlage partizipieren am Ulmer Know-How. „Da können wir schnell Lösungen anbieten, wir haben ja die gleichen Problemstellungen und Erfahrungen“, findet Steffen Meier. Wie zum Beispiel bei der Abonnentengewinnung oder bei PaidContent aus Zeitschriften.
Steffen Meiers Arbeitsgebiet steht gleichberechtigt neben den Bereichen Buch und Zeitschriften. In anderen Verlagen oft im Marketing angesiedelt, ist der Bereich bei Ulmer eigenständig, mit Umsatzverantwortung und -zielen. Eine seiner wichtigen Funktionen ist laut Steffen Meier aber auch, „als Dienstleister und Repräsentanz des Ulmer Verlags aufzutreten und die Speerspitze im digitalen Bereich zu sein, das, was in der Industrie ‚Forschung und Entwicklung’ genannt wird.“
Diese Position im Unternehmen ist Steffen Meier auch persönlich wichtig: „Ich brauche intellektuelle Herausforderungen, auch wenn sie Kraft kosten, und eine gewisse Freiheit, auch wenn der Rahmen natürlich vorgegeben ist.“ Diese Voraussetzungen muss er bei Ulmer gefunden haben, denn hier hält es ihn schon seit etwa zwanzig Jahren. Bemerkenswert, war doch die Zeit davor beruflich abwechslungsreich bis turbulent. Es ist gar nicht so leicht für Steffen Meier, alle Stationen noch zusammenzukriegen: „Die Frage ist, an was ich mich noch erinnern kann.“
Die turbulenten ersten Berufsjahre
Zunächst absolvierte der gebürtige Stuttgarter eine Ausbildung im Klett Verlag und arbeitete einige Jahre als Hersteller. Parallel schrieb er als freier Journalist unter anderem Theaterkritiken. Eine kleine Auswahl weiterer Stationen: Pressearbeit für ein Theater, Chefredakteur einer Stadtzeitung, Studium der Geschichte, das bald am BAföG-Amt scheiterte. Er jobbte gerade in Werbeagenturen, als bei Ulmer eine Stelle in der Zeitschriftenherstellung frei wurde – allerdings nur für ein halbes Jahr. Die Werbewelt war Steffen Meier immer seelenloser erschienen, so griff er zu. Im Anschluss wurde ihm in der Buchherstellung eine Position angeboten mit dem Auftrag, DTP einzuführen. Angeregt von der Herstellung von CD-Roms baute er schließlich die Online-Abteilung auf, die sich von der Stabsstelle zu einer Abteilung und vor drei Jahren zu einem eigenen Verlagsbereich mauserte.
Das Team in Stuttgart – und anderswo
Inzwischen hat er elf angestellte oder feste freie Mitarbeiter. Obwohl er dieses Wort nicht benutzt, sondern von seinen „Kollegen“ spricht: „Ein familiäres Team, eine kleine, feine Truppe, auf die ich auch sehr stolz bin.“ In den Büros, die zweihundert Meter vom Verlagshaus entfernt liegen, sind meistens nur vier bis fünf Mitarbeiter anzutreffen. Der Chef der Anwendungsentwicklung arbeitet in Bremen, ein weiterer Mitarbeiter in Kassel, zwei in Lübeck, einer in Berlin, eine Kollegin eines Teilprojekts in Indien. Für Onliner ist das nicht außergewöhnlich.
Auch der Chef selbst arbeitet nicht immer in seinem Stuttgarter Büro. Es klappt zwar nicht immer, aber einmal in der Woche ist Home-Office-Tag im 150 Kilometer entfernten Familienwohnsitz. Der ausschlaggebende Punkt für den Umzug nach Bayern war die Geburt der Zwillinge. Denn in dem beschaulichen Ort wohnen auch die Großeltern, ein wichtiger strategischer Vorteil bei der Kindererziehung. Am Wochenende wird Steffen Meier zu „einem willigen Sparringspartner“ für seine inzwischen siebenjährigen, mitunter rauflustigen Jungs. Für Hobbys bleibt neben dem zeitaufwändigen Beruf und seinen zwei Rackern kaum Zeit. Steffen Meiers Lektüre besteht hauptsächlich aus berufsbegleitenden Büchern und Kinderliteratur, die – ein Kind rechts, ein Kind links – vorgelesen wird. In seine Comic-Sammlung kann er auch nur selten gucken.
Für 140 Zeichen zwischendurch bleibt allerdings immer noch Zeit. Zugegeben: Regelmäßigen Twitterern war vermutlich schon einiges aus diesem Artikel bekannt. Für alle anderen:
http://www.xing.com/profile/Steffen_Meier
twitter.com/steffenmeier
http://www.facebook.com/steffen.meier
Glossar
Bit.ly: der beliebteste Dienst zum Verkürzen von Webadressen. Von der gekürzten Adresse wird der Nutzer auf die Originaladresse umgeleitet. Das bookmarklet von bit.ly ermöglicht das Verkürzen einer Webadresse auf einen Klick.
Fanpage: Seite auf Facebook für Unternehmen, dessen Fans andere Nutzer werden können.
Micro-Blogging: Bloggen mit sehr kurzen Nachrichten. Der bekannteste Microblogging-Dienst ist Twitter.
RSS-Feed: eine Art Abonnement, das über Änderungen auf Websites informiert.
Tweetie: iPhone-App zum Twittern.
Twitter-Client: ein Programm, mit dem man – statt von der Twitter-Website – Tweets empfangen und senden kann.
Friederike Saskia Heinen ist Texterin und Buchhändlerin und lebt in Pliezhausen am Rande der Schwäbischen Alb. Ihre Spezialgebiete sind Gewinnspiele, Newsletter, Social Media, Buchhandelsgeschichte und ihre Studienfächer Archäologie und Geschichte.
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