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Kreative PR
Alles begann mit einer E-Mail. Eines Tages schlich sich ein Exemplar dieser elektronischen Post von Konstanz nach Erlangen in meinen Mail Account. Doch statt sonniger Grüße vom Bodensee wollte man mir eine Neuerscheinung schmackhaft machen, die daherkommt wie Kratzete und ich biss an wie das Bodenseefellchen an den schmackhaften Köder und bestellte das Buch.

Haben Sie etwas gemerkt? Richtig, das ist sicherlich nicht der Aufmacher zu einer üblichen Buchrezension. Hat es Ihnen gefallen? Ich gebe zu, man könnte noch ein bisschen daran drehen, die Sätze knackiger machen und die Metaphern straffen, was ich Ihnen aber vermitteln wollte, und worum es hier eigentlich gehen soll, sind die Kreativtechniken von Jens-Uwe Meyer, die er in der zweiten Auflage von Kreative PR uns näherzubringen versucht. Der Einstieg war sozusagen ein Text-Experiment, dessen Gelingen oder Nicht-Gelingen Sie zur Grundlage Ihres Buchkaufs machen können.
Meyers erstes und wichtigstes Credo für alle PRler lautet: verabschieden Sie sich von der Standard-Pressemitteilung. Jede Botschaft braucht in Abhängigkeit von dem Rezipienten und dem Kanal, in dem sie vermittelt wird, ihre eigene Form. So ausgetreten diese Erkenntnis ist, so aktuell ist sie, wenn man auf die vielen einförmigen und voraussagbaren Pressemitteilungen schaut, die uns jeden Tag den neuen Bestseller und das neue Standartwerk anpreisen. Die Realität ist doch, dass solche Mitteilungen schneller weggeklickt werden als es dem Verfasser liebt ist, die durchschnittlich 0,8 Sekunden Aufmerksamkeit, von denen Jens-Uwe Meyer ausgeht, ist vielleicht ein bisschen provokativ, im Kern aber richtig.

Die Antwort, die Meyer auf diese brennende Frage gibt, ist die folgende: Seien Sie kreativ. Das Plädoyer wird auf den folgenden gut 270 Seiten mit Negativ- und Positivbeispielen unterlegt. Ein Gewicht liegt aber eindeutig auf dem Vermitteln von Kreativtechniken. Jens-Uwe Meyer führt den Leser in die ABBA-, die TAF- und die Apfel-Methode ein. ABBA ist sicherlich eine der wichtigsten schwedischen Bands, von denen PRler auch noch einiges lernen können, vor allem was die Krisen-Kommunikation anbelangt („Waterloo“) oder was es bedeutet, überhaupt wahrgenommen zu werden („Take a Chance on Me“), im Kontext des Buchs bedeutet ABBA aber soviel wie das Verbinden von Assoziationen, Bildern, Begriffen und Analogien. Na, klingelt’s? Genau! Sie Lernen in dem Buch, wie man mit Hilfe einer Matrix Elemente kreativ verbinden kann und das Ganze in eine Story verarbeitet, so wie einen badischen Verlag, lokale Spezialitäten, einen Frühlingsnachmittag und einen Rezensionsauftrag.

Meyers Buch richtet sich an Quereinsteiger und alle, die ihr Wissen in Sachen Kreativtechniken für das Ausdenken von Pressetexten auffrischen wollen. Der Knackpunkt jeder Rezension für buch-pr.de ist die Frage: taugt es auch für den Alltag in der Verlags-Presseabteilung? Mit Einschränkungen, ja! Zwar hat dieses Buch das Problem vieler Kreativbücher – man muss die Tipps erst einmal runter brechen und so in den Alltag integrierbar machen – aber vieles von dem, was Meyer schildert ist absolut sinnvoll. Sein Buch zielt auch darauf ab, Techniken zur Entwicklung von Ideen, mit denen man die Redaktionen von TV-Sendern und beglücken kann, zu schildern und den Leser darin einzuüben. Das ist absolut sinnvoll und für jeden interessant, der Ratgeberautoren verlegt und ein fest definiertes Themenfeld mit Spezialisten des eigenen Verlags abdecken kann. Den Kontakt in die Redaktionen herzustellen, dafür hat Jens-Uwe Meyer einen Leitfaden parat, der, wenn man sich streng an ihn hält, von der Entwicklung einer Themen-Idee bis zur Umsetzung im Gespräch mit dem Redakteur alle nötigen Schritte erläutert. Ganz verzichten auf die Beispiele großer Agenturen, denen Kunden vollkommen freie Hand lassen und sie mit genug Geld ausstatten, jede Idee auch umzusetzen, kann Jens-Uwe Meyer nicht. Derlei Vergleiche, die in der Regel eher frustrieren, da man sie in der Praxis nie selbst umsetzen könnte, halten sich jedoch in Grenzen und werden glücklicherweise nicht als paradigmatische Beispiele angeführt. Meyer beweist damit als Trainer Bodenhaftung und hat ein absolut sinnvolles Buch für das Erlernen neuer Kreativtechniken vorgelegt, oder hat Sie der Einstieg nicht überzeugt?

Jens-Uwe Meyer. Kreative PR. 2., überarb. Auflage, UVK, Konstanz 2011, 272 Seiten, 27,90 Euro, ISBN: 9783867643085

Der Autor
Jens-Uwe Meyer ist einer der renommiertesten Trainer Deutschlands für kreative Kommunikation. Er hat einen MBA in Medienmanagement und unterrichtet Manager an der Handelshochschule Leipzig. Autor zahlreicher Fachbücher.

Eine Rezension von Jan Hillgärtner


www.uvk.de

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