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Die Grenzen des Denkens
Wie wir sie mit System erkennen und überwinden können.

„Dies ist ein einfaches Buch für und über eine komplexe Welt. Es ist ein Buch für diejenigen, die eine bessere Zukunft gestalten wollen.“ So leitet Diana Wright diese Einführung in das Systemdenken ein. Wright und ihre Kollegen vom Sustainability Institute beschlossen, das von Donella H. Meadows bereits 1993 verfasste Originalmanuskript, posthum zu veröffentlichen. Nachdem Meadows 2001 überraschend verstarb, ohne das Manuskript abschließen zu können, kursierte es jahrelang informell. Trotz einiger Überarbeitungen hat man viele Beispiele in ihrem ursprünglichen Zustand übernommen und hier und da nur ein wenig verfeinert.

„Wo fange ich bloß an?“

Fragen Sie sich das nicht auch von Zeit zu Zeit? Es steht eine große Aufgabe an und egal, ob im Beruf oder im Privatleben – manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, wie es so schön heißt. Je komplexer das Problem wirkt, desto hilfreicher bewährt sich systematisches Denken. Dies klingt zunächst komplizierter als es ist. Meadows hat es sich in diesem Buch zur Aufgabe gemacht, eine allgemeinverständliche Darstellung von Systemen vorzulegen, ohne auf mathematische Formeln zurückzugreifen. Erkennt man erst einmal den Zusammenhang zwischen Struktur und Verhalten, versteht man auch die Funktionsweise von Systemen. Dies vereinfacht es ungemein, ein Problem zu erkennen, einzuordnen und zu lösen. Meadows unterstützt ihre These mit sehr anschaulichen Strukturbildern und Zeitdiagrammen, denn „alle Systemdiagramme sind Vereinfachungen der realen Welt“.

Was genau ist ein System?

Bei Ansammlungen von Einzelteilen handelt es sich nicht direkt um ein System. Erst, wenn diese Einzelteile miteinander verknüpft sind und sich dadurch etwas Bestimmtes erreichen lässt, kann von einem System gesprochen werden. Die drei Hauptbestandteile hierbei sind Systemelemente, Verknüpfungen und eine Funktion oder ein Zweck. Dieser Aufbau wird am Beispiel einer Fußballmannschaft dargestellt. Das System der Mannschaft vereint die Systemelemente Spieler, Trainer, Feld und Ball. Zu den Verknüpfungen gehören die Regeln, die Spielstrategie des Trainers, die Spielerkommunikation und die physikalischen Gesetze, die die Bewegungen des Balls und der Spieler verantworten. Zu den beabsichtigen Zielen der Fußballmannschaft kann einerseits das Gewinnen zählen oder andererseits, einfach nur Spaß an der Bewegung zu haben. Je nach Können kann ebenso der finanzielle Faktor eine Rolle spielen – oder das alles zusammen. Ein System kann nach Meadows ein anpassungsfähiges, dynamisches, zielorientiertes, selbsterhaltendes und teils auch evolutionäres Verhalten zeigen.

„Naheliegend und dennoch revolutionär!“

Ein faszinierendes Merkmal von Systemen ist das der Selbstorganisation: ein System besitzt die Fähigkeit, sich selbst mit vielfältigen Strukturen neu zu organisieren. Bei lebenden Systemen ist dies eine grundlegende Eigenschaft und doch immer wieder verblüffend. Wie sich aus einer einzigen befruchteten Eizelle ein Mensch entwickeln kann, wird doch immer wieder als ein kleines Wunder angesehen. Warum das so ist, liegt an der Vorstellung, alles sei lediglich ein Modell. „Unser Wissen ist erstaunlich; unser Unwissen erst recht,“ weiß Meadows, die sich stets mit dieser Dualität auseinandersetzen musste. Die preisgekrönte Wissenschaftlerin, die die Komplexität von Systemen entschlüsselt hat und sich bestens mit ihren Eigenschaften auskannte, schreckte nie davor zurück, mal etwas nicht erklären zu können, sondern erfreute sich vielmehr an den Überraschungen, die die Welt noch bereit hielt.

Fazit

Die Autorin greift immer wieder zu vereinfachten und daher leicht vorstellbaren Beispielen, um vermeintlich komplizierte Sachverhalte zu erklären. So ruft sie das Bild einer sich mit Wasser füllenden Badewanne hervor, um Schritt für Schritt die Funktionsweise von Rückkopplungsprozessen zu beschreiben. Wer sich noch nie in seinem Leben mit Systemen auseinandergesetzt hat, wird nun zu einer neuen Sichtweise eingeladen, diese Grenzen des Denkens zu überwinden.


Die Autorin
Donella H. Meadows (1941-2001) lehrte Chemie und Biophysik an der Harvard Universität. Sie gelangte Anfang der Siebziger Jahre zu großer Bekanntheit. Die Wissenschaftlerin und Schriftstellerin veröffentlichte 1972 eine zukunftsweisende Studie über „Die Grenzen des Wachstums“. Es handelt sich dabei um eine Untersuchung über die ökologische Belastbarkeit der Erde und menschlicher Entscheidungsmöglichkeit. Kontroverse Reaktionen folgten und trotzdem oder gerade deshalb wurden bis heute über 30 Millionen Exemplare in 28 verschiedenen Sprachen verkauft. In Zeiten des Klimawandels ist diese Studie zu globalen Auswirkungen aktueller denn je und wird heute noch für seine unvergleichlich präzisen Hinweise gelobt. Meadows gründete 1996 das Sustainability Institute und wendete als „eine der besten Kommunikatorinnen der Systemmodellierung“ (Wright) ihr renommiertes Wissen im Systemdenken auf ökonomische, ökologische und soziale Fragen an.


Donella H. Meadows: Die Grenzen des Denkens. Wie wir sie mit System erkennen und überwinden können. 256 Seiten, oekom verlag München, 2010, ISBN-13: 978-3-86581-199-8, Preis: 19.90 Euro

www.oekom.de

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