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| News und Termine vom 17.09.2009 |
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| Shortlist: Deutscher Buchpreis 2009 |
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Surprise! Surprise!
Die „Shortlist“ des diesjährigen Deutschen Buchpreises steht fest. Und: Sie ist anspruchsvoll und wartet mit einigen Überraschungen auf. Es fehlen bis auf eine Ausnahme die bekannten Namen, die noch auf der Longlist standen: Sibylle Berg, Thomas Glavinic, Ernst-Wilhelm Händler, Reinhard Jirgl oder Brigitte Kronauer. Vergeblich sucht man auch die Autoren, deren neue Bücher im Vorfeld zum Teil recht positiv bis wohlwollend, ja emphatisch besprochen wurden: z. B. Peter Stamms "Sieben Jahre", Anna Katharina Hahns "Kürzere Tage" oder Wolf Haas neuer Brenner-Krimi "Der Brenner und der liebe Gott" (Hoffmann u. Campe).
Doch davon ließ sich die diesjährige Jury nicht beeindrucken. Die Nennung auf der Longlist war schon verkaufsfördernde Unterstützung genug für diese Autoren, mag sie sich gesagt haben. Diese Shortlist ist mutiger und sperriger als ihre Vorgängerlisten der letzten Jahre.
Qual der Wahl
Eine Auswahl von 154 Titeln zu treffen, die zwischen dem 1. Oktober 2008 und dem 16. September 2009 erschienen sind, ist wahrlich nicht leicht. Ob alle der jährlich wechselnden siebenköpfigen Jury alle 154 Bücher gelesen haben, mag zu recht bezweifelt werden. Wie denn auch? Für einen einzelnen Leser ist dieses Pensum in knapp zwölf Monaten nicht zu schaffen! Die Jurymitglieder müssen sich da schon auf Empfehlungen bzw. Rezensionen verlassen, mal hier, mal da „reinschmecken“ und ein paar wenige Seiten lesen: zwei bis fünf am Anfang, in der Mitte und am Ende – oder so ähnlich ...
Die Jury hat also, wie sie selbst kundtut, „gesichtet“, um schon einmal die Longlist von 20 Romanen herauszufiltern. Ob dann nach der Bekanntgabe der Last-Twenties (19. August) jedes Jurymitglied es geschafft hat, diese zwanzig zu lesen, um die Shortlist zu erstellen? Wir wissen es nicht, werden es wohl auch kaum erfahren. Die letzten sechs Romane werden wohl bis zur Krönung des diesjährigen Preisträgers am 18. Oktober von allen gelesen worden sein ...
Wir verneigen uns vor der immensen Lese-Arbeit der Preisrichter. Einen Tag hat dann die Jury diskutiert und ihr Sprecher Hubert Winkels bekannte, "dass nicht nur thematisch, sondern auch formal die deutschsprachige Literatur über eine bestechende Bandbreite" verfüge.
Die Shortlist
Unter die letzten Sechs haben es geschafft (in alphabetischer Reihenfolge):
Rainer Merkel ("Lichtjahre entfernt", S. Fischer)
Herta Müller ("Atemschaukel", Hanser)
Norbert Scheuer ("Überm Rauschen", Beck)
Kathrin Schmidt ("Du stirbst nicht", Kiepenheuer & Witsch)
Clemens J. Setz ("Die Frequenzen", Residenz)
Stephan Thome ("Grenzgang", Suhrkamp).
Das leicht Konsumierbare fehlt - vielleicht mit einer Ausnahme: Stephan Thomes realistisch, herkömmlich erzählter Provinz-Roman „Grenzgang“. Dieses Buch hebt sich formal von den anderen fünf sprachlich ambitionierten Titeln ab und wird bereits als möglicher Publikumserfolg angesehen.
Alles in allem dominieren Autoren – bis auf Herta Müller, die ja inzwischen schon für den Nobelpreis gehandelt wird –, die bisher nur einigen Kennern der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und vermutlich auch nur wenigen Buchhändlern ein "Begriff" waren.
"Das ist auch gut so!", um einen mittlerweile häufig bemühten Ausspruch eines Politikers zu verwenden. Der Buchpreis sollte auch nicht versuchen, "den besten Roman in deutscher Sprache" (den gibt es nicht!) zu küren - wie es nach wie vor vollmundig in der Ausschreibung heißt -, sondern Unbekanntes fördern!
Zum Bespiel: Clemens J. Setz. Sein schriller wie schräger Roman "Die Frequenzen", voller Lust an Surrealen und Absurden, ist bisher (Stand: 16.09) noch von keinem der Feuilleton-Leitmedien des „Qualitätsjournalismus“ zur Kenntnis genommen worden. Online leider auch noch nicht. Umso lobenswerter, dass er es auf die Shortlist – wenn auch chancenlos – geschafft hat.
Über das Auswahlverfahren und die Problematik des Deutschen Buchpreises wurde letztes Jahr an dieser Stelle ("Die Crux mit dem Buchpreis - Literatur und Kunst sind keine Olympiade") das Notwendige gesagt – und hat nach wie vor seine Gültigkeit!
Lektürewahl leicht gemacht
Dankenswerterweise gab es auch dieses Mal wieder einen "Reader" in Papierform. Das "Lesebuch zur Longlist Deutscher Buchpreis 2009" ist kostenlos in den Buchhandlungen erhältlich: Mit den Kurzporträts der 20 Kandidaten und der von Wolfgang Schneider verfassten Einführung in ihre Bücher bietet dieses Bändchen der Leseproben eine gute Orientierung. Im Anhang finden sich noch ein Gespräch mit dem letztjährigen Jury-Sprecher Rainer Moritz über die "Freuden und Plagen der Juryarbeit", Jochen Jungs Protokoll seiner Enttäuschung bei der Preisverleihung 2008, als sein Autor nicht gekürt wurde ("And the loser is .... ") und Georg M. Oswalds Anmerkungen über "die Schwierigkeit, als Schriftsteller viel Geld zu verdienen". Auszüge aus den nominierten Romanen stehen auch bei www.libreka.de kostenlos zum Download bereit. Mehr Informationen und eine ständig aktualisierte Sammlung von Rezensionen zu den „Finalisten“ finden sich auf perlentaucher.de.
Der Schreiber dieser Zeilen bekennt, bisher noch keinen der Romane gelesen zu haben. Er kennt nur die Rezensionen und die Leseproben. Auf dieser Grundlage hat er seine Lektürewahl getroffen und wagt dennoch einen Tipp. Im letzten Jahr lag er daneben, trotz des offensichtlichen Feuilleton- und Branchengeflüster-Favoriten Uwe Tellkamp hatte er Ingo Schulze vorn gesehen.
Trotz seiner Fehleinschätzung: Dieses Jahr macht es Stephan Thome. Dass es der Debütant unter die letzten sechs schaffen würde, ist schon weniger überraschend (siehe oben), zu hymnisch sind die bisherigen Besprechungen, die einen Erfolg am Buchmarkt verheißen. Der Deutsche Buchpreis ist ein Preis des Handels, um Bücher im besten Sinne des Wortes zu puschen und einem breiten Lesepublikum bekannt zu machen. Das ist schon viel.
Schau’n wir mal ... Am 12. Oktober erfahren wir, wer von den sechs Shortlist-Kandidaten das Rennen machen wird. An diesem Tag wird der Preis, dotiert mit 25 000 Euro, im Kaisersaal des Frankfurter Römers überreicht. Werden wir dann auch wieder überrascht sein?
P.S.:
Jeder wird ja seine eigenen Favoriten haben. Die haben auch vier Literaturredakteure der Tageszeitung „Die Welt“. Sie haben ihre ganz persönliche "Shortlist" zusammengestellt. Nur zwei von ihnen haben einen Autor der Buchpreis-Liste aufgenommen: je einmal genannt werden Hertha Müller und – Stephan Thome ...
Von Rüdiger Dingemann
Links
Buchpreis
http://www.deutscher-buchpreis.de
Leseproben unter
http://www.libreka.de/promo
Rezensionen und mehr
http://www.perlentaucher.de/
Die Short-Listen der Welt-Redaktion
http://www.welt.de/kultur/article4540693/Die-persoenliche-Shortlist-von-WELT-ONLINE.html
2008: Die Crux mit dem Buchpreis - Literatur und Kunst sind keine Olympiade
http://www.buch-pr.de/news_1238.shtml
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