 |
| News und Termine vom 06.01.2010 |
 |
| Über die Schulter geschaut: Redakteur Dr. Gerwig Epkes |
 |
„Und so bin ich hier gelandet, bei meinem geliebten SWR.“ Mit diesen Worten beendet Dr. Gerwig Epkes eine sehr kurzweilige Schilderung seines Lebenslaufs. Denn hier, am Baden-Badener Standort des SWR, ist der Hörfunk-Redakteur geblieben. Hier gefällt es ihm. Der Sender muss wohl ein angenehmer Arbeitgeber sein, denn – wie seit Anfang Dezember auf buch-pr zu lesen – strahlt auch sein Kollege vom Fernsehen, Frank Hertweck, Zufriedenheit aus.
Epkes genießt vor allem die journalistischen Möglichkeiten in der SWR2-Literaturredaktion: „Ich freue mich immer, wenn andere sagen: Ihr macht ja noch so tolle Wortstrecken.“ In vielen anderen Sendern sei das gar nicht mehr möglich. Und diese Chance nutzt Epkes auch: „Wir bemühen uns, ein schönes Kulturradio zu machen mit einer guten Mischung aus Musik und Wort. Mit längeren Feature- und anderen Wortstrecken.“
Ein anderer Vorteil eines Kulturradios: So mancher andere Sender steht unter dem strengen Diktat der Quote. Diese Zahlen sind für SWR2 natürlich auch wichtig, aber „eine Kulturwelle kann man nicht mit Gottschalk vergleichen“, findet Epkes. In der Medienanalyse der Kulturradios stehe SWR2 gut da im Vergleich zu anderen Programmen. SWR2 ist ein so genanntes Einschaltradio. Hier schaltet der Hörer gezielt bestimmte Sendungen ein, die er kennt oder auf die er über das Programmheft aufmerksam geworden ist.
Zum Beispiel „SWR2 Literatur“ jeden Dienstag um 22.05 Uhr. Jeweils am ersten Dienstag im Monat werden an dieser Stelle vier Bücher der „SWR-Bestenliste“ diskutiert; seit dem 29. September 2009 wird jeweils am letzten Dienstag im Monat das neue Magazin „LiteraturEN“ ausgestrahlt, in Partnerschaft mit der gleichnamigen Zeitschrift. Die anderen Termine sind für Features reserviert.
LiteraturEN
„LiteraturEN“ ist eine Mischung aus Features, Gesprächen, Kommentaren, Portraits und Berichten über aktuelle Literatur. Nur die klassische Rezension bleibt außen vor. Der großgeschriebene Plural steht für die vielen berücksichtigten Gattungen und Nationalliteraturen. Mit den Rückmeldungen zu den ersten Sendungen, die unter anderem Themen aus der russischen und ägyptischen Literatur behandelten, ist Epkes sehr zufrieden.
Er steckt immer mitten in den Planungen für die nächsten Monate. Ein Vierteljahr im Voraus steht die Sendung fest, der Regisseur ist bestimmt, das Skript fertig, Studio und Techniker sind bestellt. Ein bisschen Sendezeit lässt Epkes für aktuelle Entwicklungen offen. Auch wenn die kommenden Themen unbekannt sind, kann es sich für Verlage lohnen, etwas vorzuschlagen. „Es ist ja keine monothematische, sondern eine sehr vielfältige Sendung“, so Epkes. Und in eine solche passt auch vieles hinein. Wer Vorschläge für Inhalte machen möchte, kann per Telefon oder E-Mail (s. unten) Kontakt mit dem freundlich-lockeren Epkes aufnehmen.
SWR-Bestenliste
Zehn Tage vor der Veröffentlichung der neuesten SWR-Bestenliste erfährt Epkes die zehn neuen Titel (s. Portrait von Frank Hertweck) und vier Juroren wählen die vier Titel aus, mit denen sie sich in der Sendung „SWR-Bestenliste“ jeden ersten Dienstag im Monat auseinandersetzen. „Über die Auswahl wird immer sehr heftig diskutiert“, erzählt Epkes.
Trotz vieler Pflichtbücher findet Epkes noch Zeit für private Lektüre. „Ich lese alles, was mir gerade in die Finger kommt. Ich bin immer neugierig. Vielleicht gibt es eine Präferenz, aber die kenne ich nicht“, sagt er mit einem schelmischen Lächeln.
SWR2 Erzählung
Für ein weiteres, ausgesprochen literarisches Format ist Epkes wie ein Lektor tätig: „SWR2 Erzählung“. In der halbstündigen Sendung an Feiertagen wird jeweils eine exklusiv für den SWR geschriebene Erzählung vorgetragen. „Es ist kein leichtes Genre“, weiß Epkes. Deshalb bittet er in der Regel nur Schriftsteller um Beiträge, die sich schon mit dieser kurzen Form auskennen. Meistens hat er die Autoren auch selbst kennen gelernt. Im Januar 2010 erscheinen sechzehn dieser Erzählungen bei Weissbooks.
Epkes betreut noch zwei Formate, die sich auch mit Literatur befassen können: „Feature am Sonntag“ im Wechsel mit Walter Filz und unregelmäßig ausgestrahlte Autorenportraits im Gespräch.
Der Weg zum geliebten SWR
Als Epkes zum SWR kam, hatte er schon einige Stationen seines eingangs erwähnten Lebenslaufs hinter sich: Nach dem Abitur in Nordenham an der Wesermündung dachte der 1953 in Aurich geborene Ostfriese: „Nichts wie weg, möglichst weit!“ Seine Eltern rieten zum Jura-Studium. Er schrieb sich in Freiburg im Breisgau, einer „schönen, überschaubaren Stadt“, für dieses Fach ein und stellte schließlich mit Mitte Zwanzig – etwas spät, wie er selbst meint – fest: „Das ist nichts für mich.“ Nach dieser Erkenntnis arbeitete er fünf Jahre bei einem Abgeordneten im Europäischen Parlament in Straßburg, Luxemburg und Brüssel. Neben diesem „Knochenjob“ studierte er Germanistik. 1984, mit dem Ende der Legislaturperiode des ersten direkt gewählten Europäischen Parlaments endete seine Referententätigkeit. Inspiriert von früheren Reisen nach Asien, begann er dann noch ein Sinologiestudium. Er war nämlich schon 1979, als man erstmals mit einem Vier-Wochen-Visum nach China konnte, als neugieriger Tourist eingereist und in den nächsten Jahren mehrmals wiedergekehrt. „Eine ganz abenteuerliche Geschichte“, von Hongkong aus ohne ein Wort Chinesisch zu können, in einem Februar in dieses „saumäßig kalte Land“. Aber er war enttäuscht: „Das ist der Sozialismus von Mao?“ Trotzdem war sein Interesse für China und seine Sprache erwacht.
Er schloss das Studium mit einer Promotion ab, die die Fächer Sinologie und Germanistik verband, indem er untersuchte, wie China in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts, etwa von Brecht, Canetti, Klabund, Hesse und Döblin, verarbeitet wurde. Der Titel der Arbeit, „Der Sohn hat die Mutter gefunden“, ist ein Zitat von Lao-zi. Über dieses Thema kommt er heute noch ins Plaudern. Auch verfolgt er alles, was über China berichtet wird, wie den umstrittenen Auftritt auf der Buchmesse.
Neben der Arbeit an der Promotion arbeitete er beim SWR, der damals noch SWF hieß. „Dabei habe ich eine Menge gelernt“, blickt er zurück. Mit der Zeit kristallisierte sich das Gebiet heraus, auf dem er arbeiten wollte: Literatur und Feature. Seitdem wohnt er in der Nähe von Freiburg im Breisgau, das ihm als Student so gut gefiel, und pendelt jeden Tag nach Baden-Baden. Natürlich mit dem Zug, um mehr Zeit für das Hobby zu haben, das auch sein Beruf ist: Die Literatur.
Kontakt zu Dr. Gerwig Epkes:
Gerwig.Epkes@swr.de oder Tel. 07221-929-6343
Einmal in der Woche verschickt SWR2 einen Newsletter mit Informationen zum Literatur-Programm der nächsten Tage, der auch über die anderen Sendungen (Forum Buch, Fortsetzung folgt, Die Buchkritik) sehr gut informiert:
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/literatur/-/id=659892/nid=659892/did=2097004/1pc6dda/index.html
Text von Friederike Saskia Heinen
Friederike Saskia Heinen ist Texterin und Buchhändlerin und lebt in Pliezhausen am Rande der Schwäbischen Alb. Ihre Spezialgebiete sind Gewinnspiele, Newsletter, Buchhandelsgeschichte und ihre Studienfächer Archäologie und Geschichte. http://www.xing.com/profile/FriederikeSaskia_Heinen
|
|