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| News und Termine vom 20.01.2010 |
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| Orhan Pamuk in Berlin: „Ich lese Romane als würde ich träumen“ |
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 | Orhan Pamuk und Andreas Huyssen |
Bericht von der Mosse-Lecture am 14.01.2010 im Audimax der Humboldt-Universität zu Berlin.
Der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk ist mehr als ein herausragender Schriftsteller.
Von vielen wird er als Mittler zwischen Ost und West, Tradition und Moderne oder Orient und Okzident gesehen. Er ist es auch, der wie ein Weltbürger in New York und Istanbul lebt und gegen den 2005 in seiner Heimat ein Verfahren wegen „Beleidigung des Türkentums“ eröffnet wurde.
Vergangenen Donnerstag hielt der Autor einen Vortrag mit dem Titel „What Happens to Us as We Read Novels“ (Was passiert mit uns, wenn wir Romane lesen), eingeladen wurde er im Rahmen der Mosse-Lectures durch das Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin.
Obwohl der ganze Abend in englisch sein würde, platzte das Audimax der Humboldt-Universität dennoch aus allen Nähten.
Sehr großer Andrang bei den Mosse-Lectures
Mit einer kurzen Verspätung – viele Besucher, viel Presse – sprach der Präsident der Humboldt-Universität und bekennender Pamuk-Fan Christoph Markschies einleitende Grußworte. Helena Kane Finn, Botschaftsrätin der amerikanischen Botschaft, begrüßte den Schriftsteller ebenso wie Joseph Vogel vom Institut für deutsche Literatur im Namen der Mosse-Lectures. Schließlich blieb
es aber dem deutschstämmigen New Yorker Literaturwissenschaftler Andreas Huyssen vorbehalten, seinen Freund und Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk eingehend vorzustellen. Nach Huyssens Meinung ist nicht das Dazwischen, sondern die Doppelung die korrekte Bezeichnung für Pamuks Literatur. Nicht „zwischen“ Orient und Okzident, sondern sowohl moderner westlicher Roman als auch mythische Tradition des Orients.
„What Happens to Us as We Read Novels“
„Die Kunst des Romans ist sehr demokratisch“, eröffnete Orhan Pamuk seinen Vortrag mit dem sprechenden Titel: „What Happens to Us as We Read Novels“. In seinem Vortrag sprach der Schriftsteller von der niedrigen Einstiegsschwelle für Romane, Friedrich Schillers Essay „Über
naive und sentimentalistische Dichtung“ und verglich immer wieder den Roman mit einer Landschaft. „Romane lesen ist, Wörter zu lesen und diese mittels der eigenen Fantasie in Bilder zu verwandeln“. Doch Literatur könne noch mehr, denn irgendwann trete der Leser in die Landschaft ein, um dort zu sehen, riechen, schmecken und mit den Figuren zu kommunizieren.
Die neun Punkte-Poetik des Orhan Pamuk
Als Höhepunkt des Abends stellte Pamuk eine Liste mit neun Punkten auf, die als seine Poetik verstanden werden darf. Neben der Landschaft, die der Leser mittels seiner Fantasie aus den Worten erzeugt, waren dies unter Anderem die nahezu private Beziehung des Lesers zum gelesenen Text oder die Suche nach einem geheimen Kern, der vermeintlich irgendwo im Untergrund der Entdeckung harrt. „Dieses Zentrum verbindet alle Details des Romans“, sagte Pamuk und wie ein
Jäger der Spur folge der Leser dem Detail. Abschließend beantwortete der Literaturnobelpreisträger den Titel seines Vortrags selbst: „Ich lese Romane als würde ich träumen“.
Zur Abrundung ein kurzes Gespräch
Nach knapp 90 Minuten mit meist englischsprachigen Vorträgen begann ein kurzes Gespräch zwischen dem Literaturnobelpreisträger Pamuk und dem Literaturwissenschaftler Huyssen, in dem
aber dem Vortrag nichts Wesentliches mehr hinzugefügt werden konnte. Immerhin war die Konzentration der Zuschauer schon stark gefordert.
Zur Krönung der Veranstaltung lasen Huyssen und Pamuk jeweils noch eine kurze Passage aus „Das Museum der Unschuld“ – Huyssen auf Deutsch und Pamuk anschließend auf Türkisch. Eine Zugabe, derer es nicht bedurft hätte, um diesen Abend zu einem echten Literatur-Highlight zu machen. Zugleich eine Zugabe, die die Doppelung von West und Ost, von Tradition und Moderne, Orient und Okzident hörbar macht.
Link zu einer ausführlicheren Version des Berichts:
http://www.bastianbuchtaleck.de/docs/bericht_pamuk_buchtaleck_lang_bilder.pdf
Link zu Friedrich Schillers Essay „Über naive und sentimentalische Dichtung“:
http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=2427&kapitel=1&cHash=14ee3b18712#gb_found
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