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| News und Termine vom 02.03.2010 |
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| Ein Abend voller Worte |
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Lesung der gesammelten Lyrikpreisträger des Jahres 2009 im Berliner Rathaus
Es gibt im gesamten deutschsprachigen Raum zwar um die 1000 Prosawettbewerbe, aber nur sechs Preise für Lyrik. Die Lesung „Die Lyrikpreisträger des Jahres 2009“ versammelte Ende Februar alle
sechs Preisträger im Festsaal des Berliner Rathauses. Vor etwa 200 Gästen betonte der Leiter der Berliner Literaturwerkstatt Thomas Wohlfahrt, dass diese Versammlung bereits zum fünften Mal
stattfinde und Lyrik nicht tot sei, sondern sich vielmehr die Quantität der Neuerscheinungen in Deutschland gesteigert habe. „Lyrik ist gesellschaftlich hoch angesehen und hat ein schwieriges
Image“, fasste Wohlfahrt in siner Begrüßung Sinn, Zweck und wie sich später herausstellen sollte Problematik des Abends zusammen.
Begonnen hatte der Abend allerdings mit dem Musiker Theo Nabicht, der – einmal zu Beginn der Veranstaltung, dann wieder nach der Hälfte und schließlich zum Abschluss noch einmal –
geblasene Poesie auf unterschiedlichen Blasinstrumenten präsentierte. Anschließend stellte immer ein Juror des jeweiligen Preises kurz den Preis sowie den aktuellen Preisträger vor und anschließend
las der Preisträger einige seiner Gedichte oder auch nur eines, je nachdem wie lang die Gedichte waren. Eigentlich ein einfaches, nüchternes Schema, dass aber zu zwölf verschiedenen
Wortballungen führte.
Sechs Laudatoren, sechs Preisträger – zwölf Wortwolken
Vorgestellt wurden, bevor sie aus ihrem Werk lasen: Konstantin Ames (Preisträger open mike-Wettbewerb), Barbara Köhler (Preisträgerin Poesiepreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft), Michael Donhauser (Preisträger Georg-Trakl-Preis für Lyrik), Ferdinand Schmatz (Preisträger Ernst-Jandl-Preis), Ulrike Almut Sandig (Leonce-und-Lena-Preis) und zuletzt Gerhard Falkner (Peter-Huchel-Preis). Irgendwie erschlagend, aber auch vielfältig.
Sehr gedrängt dagegen wirkten die Worte der Juroren und Laudatoren. Denn gerade in der Anhäufung von Jurybegründungen zeigte sich, dass ihre Worte nur wenig Halt bieten können in der spezifischen Sprache der Lyriker. Wenn man alle Begründungen zusammen nimmt, kommt ein Ritt heraus, der alles streift, was das Menschsein ausmacht und noch weit darüber hinaus: Zeit und Raum, Kant, Hölderlin, Odysseus, Diesseits und Jenseits, Erde, Welt und All, Wirklichkeit, Realität,
Wahrnehmung, Erinnerung, Selbstverständnis, Schönheit, Fragment, Pathos, Sinn und Sinne –nichts, was nicht in den Worten der Laudatoren keinen Platz gefunden hätte und was ziemlich surreal anmutete.
Vielfältig – gedrängt - erschlagend
Schließlich wird sicherlich jeder der Behauptung zustimmen, Lyrik braucht ihre Zeit, um zu wirken. Sie braucht vielleicht auch ein wenig Abstand, so dass man sich zurückziehen und einlassen kann. Aber weder Zeit noch Abstand waren an diesem Abend gegeben. Vielmehr wurde man herausgefordert von zwölf hochkonzentrierten Wortwolken – eine Herausforderung, die man unmöglich bestehen konnte. Es bestand demnach kein Zweifel an der Qualität des einzelnen
Beitrags, doch durch die Masse wurde es zu wuchtig.
Letztlich war es ein wenig schade: so viel Können und so viel Enthusiasmus in einem Raum versammelt zu haben und dass vielleicht gerade darum der Funke nicht recht überspringen konnte.
Es war, als sperre sich dieser vielfältige und gedrängte Rahmen gegen seinen Zweck. So lobenswert die Veranstaltung an sich ist, so sehr müsste man für die Zukunft überlegen, wie man den Abend ein
wenig entzerren könnte. Es blieben Worte, die sich auf andere Worte stapelten und kaum ihre Wirkung entfalten konnten.
Bastian Buchtaleck
Weitere Bilder des lyrischen Abends finden Sie unter: http://www.bastianbuchtaleck.de/?p=282
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