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Frank Plasberg im Interview: „Wer die Welt verändern möchte, der sollte Politiker werden.“
„Du willst doch hart, aber fair sein,“ hat mal eine Kollegin zu ihm gesagt. Ich bin hart und fair, sagte sich daraufhin Frank Plasberg und schneiderte sich mit seinem Team gemäß dem Motto eine der beliebtesten Talk-Sendungen auf den Leib. Das war im Jahre 2001 – heute ist hart, aber fair – mehrfach ausgezeichnet – Marktführer unter den Polit-Talkshows und aus der ARD nicht mehr wegzudenken. Obwohl die Sendung abwechselnd in Köln und Berlin produziert wird, hat sich der 53jährige Journalist und zweifache Vater für Köln als Wohnsitz entschieden. Für BUCH-PR-Korrespondentin Christina Bacher eine gute Gelegenheit dem berühmt-berüchtigten Interviewer selbst einmal mit ein paar Fragen auf den Zahn zu fühlen.

CHRISTINA BACHER: „Herr Plasberg, Sie gelten als Jemand, der sich von seinen Gästen nicht einschüchtern lässt. Nicht umsonst haben Sie den Bambi in der Kategorie Moderation überreicht bekommen. Bevor wir beginnen, wollte ich mir als erstes ein paar Tipps zur Interviewtechnik abholen. Was macht für Sie ein gutes Interview aus? Spricht man sich bei hart, aber fair mit prominenten Gästen vorher ab, was gefragt wird – gibt es vielleicht sogar heikle Themen und persönliche Fragen, die ausgeschlossen werden?“

Frank Plasberg: „Das Interview sollte den Interviewten überraschen, dann läuft es gut. Hinter einer vermeintlichen Lockerheit steht natürlich immer auch eine intensive Vorbereitung – das ist oft das Geheimnis eines guten Interviews. Letztlich verstehe ich mich in meiner Sendung als Jongleur, der durch die ganze Sendung eine gewisse Spannung behält, ohne angespannt zu wirken. Vorherige Absprachen gibt es insofern keine, als dass ich es immer mit dem Satz halte: Ich frage, was ich möchte und Sie antworten, was Sie möchten.“

CHRISTINA BACHER: „Wie fühlen Sie sich, wenn Sie selbst im Rampenlicht stehen, beispielsweise bei Interviews, bei denen der Spieß herumgedreht wird?“

Frank Plasberg: „Letztens hat mich beispielsweise ein Kollege bei SWR 3 so richtig aufs Glatteis geführt und mich nach zwei harmlosen Fragen plötzlich bei der dritten Frage dran gekriegt. Das hat mir persönlich Spaß gemacht, weil er die richtige Mischung aus Vorbereitung und Spontaneität hinbekommen hat. Wenn so etwas klappt, dann genieße ich es eben auch mal sehr, nicht selbst der Zeremonienmeister zu sein.“

CHRISTINA BACHER: „Ihr beruflicher Lebenslauf liest sich geradlinig: Von ihrem Volontariat bei der Schwäbischen Zeitung bis dahin, daß Sie heute als Moderator und Produzent die 100. Sendung von hart, aber fair zu verantworten haben. Privat leben Sie mit ihrer Lebensgefährtin mit Blick auf den Rhein, haben zwei Kinder – klingt von außen betrachtet, als hätten Sie alles richtig gemacht. Hatten Sie denn auch Brüche im Leben?“

Frank Plasberg: „Mein Glück war es, daß ich als 16jähriger schon Journalist werden wollte und dafür alles getan habe. Ich habe bereits mit 18 Jahren volontiert, bin dafür in eine kleine Stadt ins Allgäu gezogen. Während andere mit dem Studium begonnen oder sich eine Auszeit gegönnt haben, hatte ich immer Jemanden, der täglich zum Redaktionsschluß die Produktivität einklagt hat – da war kein Raum, um sich mal hängen zu lassen. Und so ging das über Jahre weiter. Tatsächlich drohte ich – das habe ich dann später gemerkt – mit der Zeit eindimensional auszubrennen. Als Konsequenz habe ich meinen damaligen Posten beim WDR gekündigt und mit 48 Jahren eine eigene Produktionsfirma gegründet. Natürlich war das ein Bruch, wenn man so will – oder auch ein Wagnis. In jedem Fall war es an der Zeit, sich mal selbst zu schütteln. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht.“

„Ich habe mich irgendwann mal dazu entschlossen, mich nicht sozial gewünscht zu verhalten.“

CHRISTINA BACHER: „Ihr Unternehmen trägt den klangmalerischen Namen Ansager und Schnipselmann GmbH & Co KG. Mit im Boot sitzt der Produzent und Regisseur Jürgen Schulte. Was macht diese Zusammenarbeit aus?“

Frank Plasberg: „Ansager und Schnipselmann stand mal vor Jahren über unserem Porträt in der Süddeutschen Zeitung – das hat uns gut gefallen und wir konnten es kaum erwarten, das mal auf einer Visitenkarte zu lesen. Ich freu mich da jedes Mal drüber, wenn ich die Jemandem auf den Tisch lege, wenn auch schon mal Schnitzelmann gelesen wird und wir mit einer Cateringfirma verwechselt werden. Jürgen Schulte und ich arbeiten aber schon länger zusammen, ganz früher war ich mal sein Chef. In der Zeit habe ich ihn sogar mal für einen Tag rausgeworfen, abends aber wieder zurückgeholt. Heute sind wir befreundet – die Debatte, ob der Film wichtiger ist als der Moderator oder umgekehrt, ist auch geklärt. Das Gesamtkonzept funktioniert, das ist die Hauptsache.“

CHRISTINA BACHER: „Welche Auswirkungen hat denn Ihre Prominenz für Sie? Sie sind nicht nur regelmäßig im Fernsehen zu sehen, sondern ja auch mal bei Preisverleihungen, in Gazetten oder auf roten Teppichen zu sehen. Eignet man sich da mit der Zeit ein anderes Verhalten an?“

Frank Plasberg: „Ich versuche mich so anständig zu verhalten, wie man sich als Mensch verhalten sollte. Und wenn man mich schräg anmacht, kommt auch was zurück. Früher dachte ich immer, ich müsste mich in allem zurückhalten, weil man mich aus dem Fernsehen kennt. Vor ca. 15 Jahren habe ich dann mal beschlossen, mich nicht immer sozial gewünscht zu verhalten.Seither lebt es sich unbeschwerter. Ansonsten bin ich gerne Beobachter oder auch Voyeur, deshalb habe ich meinen Beruf auch gewählt. Mir macht das natürlich auch Spaß, mich unter andere Prominente zu mischen, mich da hinter eine Säule zu stellen und mir die ganze Szenerie mal anzuschauen. Andererseits aber wohne ich in Köln und nicht in Berlin, wo wir die Sendung ja auch produzieren, eben weil ich da eine gewisse Distanz bewahren kann.“

„Seelebaumeln lassen heißt für mich, mit dem Technik-Teil der FAZ anzufangen.“

CHRISTINA BACHER: „Sie müssen immer informiert sein, Zeitunglesen und Recherche gehören zu Ihrem beruflichen Alltag. Kennen Sie denn auch Nichts-Tun? Was tun Sie, um die Seele baumeln zu lassen?“

Frank Plasberg: „Seelebaumeln lassen heißt für mich mit dem Technik-Teil der FAZ am Dienstag anzufangen oder mit dem Wissens-Teil der Süddeutschen Zeitung anstatt mit den Politik-Seiten. Natürlich ist es auch eine schöne Form der Entspannung, auf einem Schiff mit nur 6 Stundenkilometern über einen Kanal zu schippern und die Langsamkeit wieder zu entdecken, wie letztlich in meinem Urlaub – perfekt zum Entschleunigen.“

CHRISTINA BACHER: „Sie sind nicht nur das Gesicht, sondern auch der Produzent bei Hart, aber fair. Inwiefern machen Sie da die Themen selbst auf?

Frank Plasberg: „Letztlich bin ich derjenige, der das Thema entscheiden muß. Ich würde mich aber nie gegen den Rat der Redaktion stellen. Man muß mit der Macht des Chefs vorsichtig umgehen, wenn man die Kompetenz der Mitarbeiter erhalten möchte – das ist für unser Format ein unerlässlicher Prozess, auch die Diskussion um die Themen gehören dazu.“

CHRISTINA BACHER: „Sie waren einer der ersten, der nicht nur über Fälle und Menschen gesprochen hat, sondern die Betroffenen auch zum Gespräch in die Sendung geladen hat. Später wurde das in anderen Talk-Shows auch salonfähig und ging mehr und mehr auf Kosten der Talkgäste. Sitzen deshalb heute in erster Linie Politiker und Medienprofis in Ihrer Runde? Wer ist denn Ihrer Meinung nach der interessantere Gesprächspartner beispielsweise beim Thema Hartz IV?“

Frank Plasberg: „Für Menschen, die in einer Sendung wie hart, aber fair über ihr Leben reden, übernimmt man eine große Fürsorge – das ist mir sehr bewusst. Und natürlich reicht es nicht für eine 75-minütige Sendung, nur eine These oder einen Satz loswerden zu wollen. Man muß auch den Rest der Zeit wachsam sein und zu Fragen Stellung nehmen. Das heißt, wir prüfen das sehr genau, wer diesem Druck standhalten kann. Wenn ein Mensch vor vier Millionen Zuschauern über sich redet, kann ihn das unter Umständen noch ein ganzes Jahr und länger beschäftigen – es ist also die Frage, ob er sich damit einen Gefallen tut. Ein Politiker dagegen hat so einen Auftritt zwei Tage später wieder vergessen, weil dann schon das nächste Ereignis in dieser Größenordnung kommt. Deshalb gilt für uns, der Inhalt geht vor der Person. Aber natürlich sind Einzelbeispiele im Grunde immer gut, um ein Thema zu veranschaulichen. Ich erinnere an den Fall der 14jährigen Laura (Name geändert), die letzten Sommer in meiner Sendung war: Als Tochter einer alleinerziehenden Hartz IV-Empfängerin konnte sie sich ihren Traum, einen E-Bass zu besitzen nur durch einen Ferienjob erfüllen. Sie hat also in den Ferien gearbeitet, doch danach hat man der Familie das Geld von Hartz IV wieder abgezogen. Nachdem wir über diesen Fall berichtet hatten, haben sich einige Politiker für eine Gesetzesänderung eingesetzt – in diesem Jahr kann Laura wieder arbeiten und kann das Geld aber behalten.“


CHRISTINA BACHER: „Ist das auch eine Triebfeder für Sie, durch Ihre Arbeit etwas verändern zu können?“

Frank Plasberg: „Es war nie meine Triebfeder, als Journalist die Welt verbessern. Ich bin mit älteren Journalisten groß geworden, die stark von den 68er Jahren geprägt waren – das fand ich immer befremdlich. Ich habe den Beruf schon ergriffen, um einen Prozess in Gang zu bringen, den Menschen Diskussion- oder auch nur Erzählstoff zu liefern. Etwas anstoßen, das war mein Impetus. Aber wer die Welt verändern will, der sollte Politiker werden, nicht Journalist. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die abends auf Parteiversammlungen gehen, die Plakate kleben, die Diskussionen führen. Journalisten, die die Welt verändern wollen, habe ich eher versucht, von mir fern zu halten.“

CHRISTINA BACHER: „Um noch mal zum Anfang unseres Gesprächs zurückzukommen: Sie sagen, im Idealfall sollte der Interviewte überrascht werden. Wurden Sie gerade ein wenig überrascht?“

Frank Plasberg: „Ja, aber nur angenehm...“

CHRISTINA BACHER: „Vielen Dank für das Gespräch.“



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