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Die bayerische Landeshauptstadt bietet eine große Auswahl ansprechender Literatur-Orte, große (wie das Literaturhaus) oder kleine. Gerade diese sind einen genaueren Blick wert; Katharina Knieß stellt einige vor.
Eigentlich soll man ja nicht mit einem Negativ-Beispiel beginnen. Dennoch. Glaubt man der „Süddeutschen Zeitung“ vom 20./21. Oktober 2007, gibt es wenigstens eine Location in München, die sich für Lesungen nicht eignet: die Große Aula der Ludwig-Maximilians-Universität. Dort kämpfte Pulitzerpreisträger Richard Ford mit der Akustik, die SZ titelte „Ein Klang, der leider verhallt“.
„Klein“ ...
Deutlich weniger renommiert, dafür höchst persönlich geht es beispielsweise bei Renée Rauchalles in Haidhausen zu. Die Schauspielerin und Lyrikerin betreibt mit ihrer ZEITfürKUNST-GALERIE einen Salon, in der sie vor allem den oft vergessenen Dichterinnen eine Stimme gibt. Den auch für Verlage zu öffnen, finden sie eine spannende Idee: Allerdings, fügt sie hinzu, sei der mit einem Klavier bestückte Raum nur für etwa 35 Leute geeignet
Wer einen derlei intimen Rahmen sucht - ob für Pressegespräche oder lyrische oder belletristische Lesungen -, kann aber auch im Literarischen Wohnzimmer anfragen. Die Betreiber kooperieren derzeit eher lose mit Münchner Kleinverlagen, „wir betreiben mit dem Kunst- und Textwerk-Verlag regen Autorenaustausch“. Da das Konzept vorsieht, „auch unbekanntere Autoren bzw. Hobbyschriftsteller lesen zu lassen und unsere inhaltliche Literarische Ausrichtung sehr breit gefächert ist, sind eventuelle Kooperationen mit Verlagen als Themenabende am besten zu realisieren“.
Die Konditionen sehen vor, „dass bei Lesungen unser Konzept gewahrt wird“, also pro Abend maximal drei bis vier Autoren mit jeweils bis zu 30 Minuten Lesezeit lesen, sagt Marcel Balcu, neben Marcus Geiß und Cornelius Speck einer der Organisatoren. Autorenhonorare werden nicht gezahlt, da Das Literarische Wohnzimmer unkommerziell arbeitet. Verlage können gerne auf uns zukommen und uns kontaktieren. Fotos von den Räumlichkeiten füge ich gerne bei, Organisatoren sind und Marcel Balcu).
Speak & Spin gibt es seit Mitte 2000. „Bis heute haben geschätzt/gefühlt an die 200 Autoren bei uns gelesen“, erzählt Daniel Kühn. „Wir verstehen uns als Plattform für junge Talente, aber auch als Podium für bereits etablierte oder halbetablierte Autoren“ Ob Spoken Word, Lyrik, Prosa, Rap, oder Kamikaze-Auftritte - hier finden „im Grunde alle Gattungen“ eine Bühne.
An einem Montagabend im Monat lesen in der Regel zwei bis drei Autoren, die ein kleines Honorar bekommen; die Veranstaltungen werden über das Eintrittsgeld (5 Euro) und eine Unterstützung durch die Stadt München getragen. Der Club, „ein kleiner schummriger, aber sehr sympathischer Laden mit gutem Essen“, liegt in der Hauptbahnhof-Gegend
Zu den Organisatoren gehört zwar u. a. der yedermann Verlag. Doch bislang hat man mit anderen Verlagen noch nicht zusammen gearbeitet. Kühn denkt nach. „Wenn eine Kooperation daraus bestünde, dass der Verlag hin und wieder neue frische Autoren bei uns lesen lassen würde, aber wir trotzdem die Entscheidungsgewalt behielten, dann wäre so eine Zusammenarbeit denkbar“. Der Club hat zudem eine Kooperation mit dem Radio-Sender 94,5 - grundsätzlich sei also nichts gegen eine Zusammenarbeit einzuwenden, „wenn es nicht auf Kosten unserer Unabhängigkeit geht.“
... „mittel“ ...
Umfunktionierte Bahnhöfe haben einen ganz besonderens Charme - und Vorzug: So ist der Giesinger Bahnhof mit U- und S-Bahn sowie Tram und Bus zu erreichen 2004 eingeweiht, wurde es als Begegnungszentrum gebaut, ist es zunächst ein Forum für Künstler aus dem Münchner Südosten. Für Lesungen geeignet sind weniger die zahlreichen, unteschiedlich großen Seminarräume, sondern vielmehr die Gepäckhalle. Diese kann man mit allem technischen Drum und Dran mieten, Licht, Ton, Beamer, Leinwand sind in dem barrierefreien Haus vorhanden, ein Techniker geht zur Seite.
Doch Geschäftsführerin Katharina Erlmeier ist jederzeit auch für interessante Kooperationen im Rahmen des „kulturbahnsteigs“ offen. So finden hier Literaturveranstaltungen wie das „Lesefest“, das „Krimifestival“ und „Brandloch“ statt. Dabei ist die Ausrichtung des literarischen Programm vielgestaltig.
Franz Doblers „Benno-Ohnesorg-Theater“ mit wechselnden Gästen ist oder besser: war eine feste Einrichtung als Veranstaltungsreihe im Vereinsheim, die ab Januar 2008 in den Kammerspielen („Nachtlinie“) fortgesetzt wird. Dobler wie auch Ludwig Lugmeier - beide lasen am 14.12.07 gemeinsam im „Vereinsheim“ - sind Autoren des Antje Kunstmann-Verlages.
Auch wenn das „Benno-Ohnesorg-Theater“ nun nicht mehr in der Location stattfindet, „werden wir vom Verlag aus aber ganz bestimmt weitere Lesungen im dort durchführen“, ist sich Andreas Schäfler von der Pressestelle sicher. „Viele unserer Autoren passen einfach sehr gut in die zwanglose Atmosphäre dort, was natürlich auch an den sympathischen Betreibern und dem neugierigen Publikum liegt. Eine steife Lesungsatmosphäre haben wir dort einfach noch nie erlebt.“ Er hat den „White Bicycles“-Abend mit dem Autoren Joe Boyd und dem Musiker Geoff Muldaur, den wir zusammen mit Club2-Konzerte im Oktober im ,Vereinsheim' ausgerichtet haben“, als eine der besten Kunstmann-Veranstaltungen überhaupt“ in Erinnerung.
... „größer bis groß“
Größere Räume zieht der Deutsche Taschenbuch Verlag vor - zur jüngsten Weihnachtszeit musste es theatralisch sein: Für „Manche mögen´s weihnachtlich“ (Vorlage: dtv 21026) gab's „Literarische Weihnachtsschmankerl zum Dritten Advent“ mit Doris Dörrie, Christine Grän, Karl-Heinz Hummel und Maria Peschek im Theaterzelt „Das Schloss“ zwischen Schwabing und Neuhausen. Dr. Maike Kolbeck, bei dtv in der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Veranstaltungen zuständig, liebt aber auch andere typisch Münchnerische Locations.
Weitere Weihnachtsgeschichten unter demselben Motto wurden im Künstlerhaus am Lenbachplatz zum Besten gegeben, das von der Münchner Künstlerhaus-Stiftung getragen wird. Zentral in nächster Nähe zum Stachus (Karlsplatz) gelegen, finden sich hier verschiedene Räumlichkeiten, unter ihnen das herrlich altmodisch-düstere Lenbach-Zimmer. Teil 3 von „Manche mögen´s weihnachtlich“ fand schließlich als Weihnachtslesung am Kamin statt - ideale Location hierfür war die Schwabinger Seidlvilla, ein Kulturzentrum, das in der ganzen Stadt für seine Lebendigkeit bekannt ist. Abgesehen davon, dass das Haus ein echtes Juwel ist, eine große Villa inmitten eines großen, parkähnlichen Gartens nahe von Englischem Garten und Münchner Freiheit
Text: Katharina Knieß (www.tipp-presse.de)
Buchtipp:
München literarisch, doch einmal ganz anders - das bietet „Lauschangriff. Münchner Wortwechsel“. Hans Kelén und Eva Dziewas hörten genau hin, was beim Einkaufen, an der Bar oder am Handy alles gesprochen wird und packten es zwischen zwei Buchdeckel. Wer sagt denn, dass nicht bereits der Münchner Alltag nicht die reine Poesie und Prosa sein kann? (Alois Erdl Verlag 2006, ISBN-13 978-3925249679)
Kontakt und weitere Locations:
www.dasliterarischewohnzimmer.de
www.renee-rauchalles.com
www.vereinsheim.net
www.speakandspin.de
www.seidlvilla.de
www.giesinger-bahnhof.de
www.dasschloss.com
www.kuenstlerhaus-muc.de
weitere Locations
(mit Dank an www.storia-verlag.de und www.elke-a-sommer.com)
www.prinzregentgarten.de
www.cord.tv
www.84ghz.de
www.substanz-club.de
www.westendistkiez.de
www.kiezmeisterschaft.de
www.ruffini.de
www.blumenbar.de
www.nachtlinie-kammerspiele.de
www.luise49.de
www.buchhandlung-braeunling.de/
http://puc.puchheim.de/www/
Café Jasmin (Tel. 089 - 52 51 60, Link)
www.sinnundsinnlichkeit.com
www.freiheiz.co
Extra-Tipp:
LOCATION-Agenturen, die gegen Provision maßgeschneidert passende Örtlichkeiten suchen, gibt es etliche in München. Stellvertretend sei Munich Eventlocations (www.munich-eventlocations.de) genannt.
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