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Bücher auf Beton-, Spielwaren- und Konsolen-Messen
© Cornelsen: Christine Jesse
Auch Non-Book-Messen bringen Verlagsprodukte ins (Medien-)Gespräch


Bücher + Messe = Buchmesse(n).
So einfach geht die Gleichung doch nicht auf, wie Gespräche mit verschiedenen Verlagen ergaben. Wer vor allem Fach-, Sach- und Geschenkbücher im Programm hat, schaut immer auch nach weiteren Plattformen.

Wie der Cornelsen Verlag, für den die Teilnahme an der didacta zum Pflichtprogramm gehört, „die ist für uns die wichtigste Messe überhaupt“, betont Pressesprecherin Christine Jesse. „Weitere Messen, auf denen wir in wesentlich kleinerem Rahmen vertreten sind, sind die Learntech (E-Learning) und seltener auch die Games Convention (Edutainment Software).“ Doch wie nutzen Verlage wie Cornelsen Messeteilnahmen für ihre PR-Arbeit? Schlicht zusammen gefasst könnte die Antwort lauten: Entweder gar nicht aktiv (wo der Vertrieb im Vordergrund steht) bis hin zu aufwändig-aktiv.

Didacta ist Pflichtprogramm für Cornelsen

So kündigte der Verlag für die didacta 2008 in Stuttgart Großes an: „Cornelsen hat die Koffer für die didacta 2008 in Stuttgart gepackt. Mit im Gepäck: Ein Zauberweltmeister, ein Schiff inklusive Kapitän, ein mediterranes Bistro, Quizspiele mit attraktiven Gewinnen, (...) Bildungsangebote für den Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung“ samt Preisverleihung des Cornelsen Förderpreises „Zukunft Schule“. Weithin sichtbar waren auch die roten Segel des über acht Meter hohen und 26 Meter langen Zweimasters „Spirit of English“. Und wer „all dies nicht vor Ort miterleben kann, hat im Cornelsen webTV die Möglichkeit, Messehöhepunkte und Veranstaltungen auch von zu Hause“ und im Internet zu verfolgen.

Unterstützung der jeweiligen Messegesellschaften nutzen

Dafür nutzt der Verlag grundsätzlich die Möglichkeiten, die die jeweils zuständige Messegesellschaften zur Unterstützung bieten: Pressefächer, Online- und Printpublikationen, Pressedienste. Bei der didacta unterstützt der VDS Bildungsmedien e.V., ideeller Träger der Veranstaltung, die Mitglieder mit zahlreichen PR-Angeboten. Gerade die Kooperation mit so genannten prominenten „Bildungsbotschaftern“ mache auf das Thema „Bildungsmedien“ aufmerksam, meint Christine Jesse. Auch VDS-Pressesprecher Rino Mikulic hält Veranstaltungen und Prominente für wichtige Themenaufhänger, denn weniger die Veröffentlichungen, als vielmehr aktuelle Themen seien für Journalisten interessant.

Das Thema Bildung zieht

Gerade seit „Pisa“ sieht Rino Mikulic, dass das Thema „Bildung“ anzieht, allein in diesem Jahr akkreditierten sich 508 Journalisten gegenüber sonst eher 200 in den vergangenen Jahren. Wer hier gute Veranstaltungen und Themen anbietet, wird also wahrgenommen. Auch der Gerstenberg Verlag nimmt regelmäßig an Nicht-Buch-Messen teil, vor allem „buchen wir jährlich die Spielwarenmesse in Nürnberg“, berichtet Andrea Deyerling-Baier. „Dort sind wir vor allem mit unserem Bilderbuchprogramm, unseren Non-Book-Produkten rund um Rotraut Susanne Berners Wimmelbücher und Eric Carles ,Raupe Nimmersatt' und den Kinder- und Jugendsachbüchern sehr erfolgreich vertreten“. Wobei der Verlag hier keine PR-Kollegen vor Ort hat, keine aktive PR betreibt. „Aber dort stehen unsere Vertriebskollegen den Journalisten für Gespräche zur Verfügung“, denn Veranstaltungs-PR würde sich in Nürnberg für das - gemessen an der Spiele-Konkurrenz - kleine Programm nicht lohnen. Allerdings war Deyerling-Baier „zwei-, dreimal vor Ort, um in Gesprächen Rückmeldungen aus dem Handel zu bekommen“.

Bei den Einkaufs- und Lifestyle-Messen sollen eher die Spielwaren- und Buchhändler erreicht werden

ars edition nimmt an Einkaufs- und Lifestyle-Messen teil, hier stehen in diesem Jahr die Hamburger Einkaufstage, Innowa! Dortmund, Mustermarkt München, Ornaris Bern/Zürich, die Spielwarenmesse Nürnbergdidacta auf dem Plan. Auch hier sollen bei den Messeauftritten eher die Spielwaren- und Buchhändler erreicht werden, nähere Informationen werden lediglich als „individuelle Einladungen an unsere Ansprechpartner“ versandt, so die Presseverantwortliche Silke Roß.

Dabei bieten Messen wie die Hamburger Einkaufstage ein ganzes PR-Paket für Aussteller: Das „Schalten von Anzeigen sowie redaktionelle Beiträge im Messemagazin ,HET Magazin' (Print- und Internet-Ausgabe), redaktionelle Beiträge in Fachzeitschriften, Ausstellen von Produkten auf Trendshows unter Nennung des Aussteller-Namens und der Hallen- und Standnummer), Einladung von Journalisten auf die Messe, Fotorundgang mit Journalisten sowie die obligatorischen Pressefächer“ ist hier möglich, wie die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständige Sigrid Brauer aufführt.

Auch Coppenrath ist mit seiner Vielzahl an Non-Book-Produkten und nicht nur auf den Buchmessen vertreten, sondern „wir besuchen auch die Spielmesse in Nürnberg, die Möbelmesse und Lifestyle-Messen in Frankfurt“. Dabei „ wird die PR ausschließlich über meinen Bereich geleistet“, erzählt Tomas Rensing (Presse & Information). Ausführlicher engagiert sich teNeues, so auf der Frankfurter Paperworld, wo man insbesondere „Buchhandel mit PBS-Affinität und -Abteilungen, den klassischen PBS-Handel und Geschenkartikler“ im Visier hat, fasst Britta Nießen von der Presse und Unternehmenskommunikation zusammen.

Hierzu „buchen wir Pressefächer, erarbeiten eine messespezifische Presse-Email, die wir über die elektronischen Pressefächer versenden. In dieser Mail laden wir beispielsweise die Redakteure an unseren Stand zu einer Produktpräsentation aus dem Bereich der Neuerscheinungen ein.“ Ähnlich wie bei vielen anderen Verlagen dienen Messeteilnahmen „in erster Linie für die Kontaktpflege zu Bestandskunden“, Neukundenkontakte werden weniger gesucht. Hierbei kommen Kontakte zu geschätzten 90% durch bestehende Kontakte und festgelegte Termine, nur etwa 10% durch PR-Maßnahmen zustande. Dabei übernimmt die Presseabteilung alle Maßnahmen im Rahmen der Messe, wie beispielsweise Pressefächer und Mailings.

Anders der Heyne Verlag: Dort ist man nur auf Buchmessen aktiv. „Einzige Ausnahme“, so PR-Frau Gabi Beusker, „sind unsere Mangas, die wir auch auf den Conventions AnimagiC und Connichi präsentieren“. Die Entscheidung für eine Messeteilnahme will stets gut überlegt sein, denn die stellt generell einen größeren Organisations-, Finanz- und Personal-Aufwand dar. Für HatjeCantz ist die Teilnahme etwa an der Paris Photo und am Art Forum Berlin lohnend, „der Verkaufserfolg ist sehr zufriedenstellend“, berichtet Pressefrau Meike Gatermann. Dort zeigt der Verlag seine Vorzugsausgaben (limitierte Kunstauflagen zu Büchern). „Ebenso sind wir dort mit dem Kunst Quartal, ein Ausstellungsverzeichnis in Printform, vertreten.“

Mit dem Ausstellungsverzeichnis „Kunst Quartal“ ist der Verlag Medienpartner der Messe - generell können Buchverlage nicht teilnehmen, weshalb die Teilnehmer Sondereditionen präsentieren. Das Art Forum lobt in einer Abschluss-Pressemitteilung die „schnörkellose Präsentation der Verlage, Institutionen auf Sonderständen und Editen“. Dennoch hält Gatermann den Aufwand bewusst klein: „Unsere Zielgruppe sind die Kunstinteressierten. Außer Einladungen an unsere Kundenadressen machen wir keine eigene PR“, verrät sie.

Großer Aufwand für die Messeauftritte muss sich auch lohnen

Der relativ große Aufwand ist es denn auch, den der Birkhäuser Verlag von umfangreicheren Messeteilnahmen abhält. Im Bereich der Wissenschaften besucht der Verlag eher wissenschaftliche Symposien und Kongresse und fast nie Messen. Doch „als Fachverlag für Architektur und Design sind wir gelegentlich auf ausgesuchten grösseren Fachmessen vertreten. Meistens tun wir dies in Gemeinschaftsständen mit anderen Verlagen oder Buchhandlungen oder mit unserer Designzeitschrift form, die sehr häufig auf Messen präsent ist“, erklärt Press & PR Manager Gisela Graf. „Gelegentlich sind wir über eine örtliche Buchhandlung, oder auch nur mit Werbemitteln vertreten.“

Lieber nimmt man an Kongressen und Fachveranstaltungen verschiedener Art teil, dort erreicht man gezielt die gewünschten Zielgruppen: „Buchhändler berichten uns häufig, dass die Präsenz vor Ort wichtig sei, unmittelbar nach einer Messe oder einem Kongress das Interesse an dem oder den betreffenden Titeln deutlich ansteigt.“ Die für 2008 geplanten Messen sind imm Cologne, 52. Beton-Tage, Light and Building 2008, Tendence Lifestyle, Blickfang Zürich und Euromold. Allerdings „ist die Messe-Präsenz für uns vor allem eine Vertriebs- und Marketingangelegenheit, die wir pressemäßig nicht begleiten.“

Wieder andere sind generell informell zusammen geschlossen: Die PR-Zeitschrift JAM ist nicht nur eine Marketing-Plattform mit redaktionellen Anzeigen, sondern darüber hinaus Mit-Motor der Kunstmesse JAM Art Mallorca, an der etliche der aufgeführten Verlage gern „live“ teilnehmen (siehe buch-pr.de vom 24.01.2008 buch-pr.de ).

Eine ganz andere Messe-Art schwebt dem Plaisir d'Amour-Verlag vor, der nicht an Buchmessen teilnimmt. Verlagsleiterin Angela Weiß: „Interessant für unseren Verlag wäre allenfalls die Erotikmesse Venus, aber noch steht eine Teilnahme in den Sternen.“

Text von Katharina Knieß (www.tipp-presse.de)


Lese-Tipp: „Messe-PR“:
Karl Fröhlich/Daniela Lovic: Public Relations, Effiziente Öffentlichkeits- und Pressearbeit, Cornelsen („Pocket Business“), ISBN 3-589-21961-0

Kontakt:
Plaisir d'Amour Verlag
Random House
Coppenrath Verlag
teNeues
Cornelsen
Birkhäuser
arsedition
Art Forum Berlin
Hamburger Einkaufstage
Gerstenberg Verlag
HatjeCantz



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