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| Über die Schulter geschaut: Ingrid Müller-Münch |
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„Engagement ist mir wichtig“
Das Café Sur in der Kölner Südstadt ist mehr als ein Café, es ist eine Familienangelegenheit. Auch die Journalistin Ingrid Müller-Münch scheint zur Familie zu gehören, beginnt sie hier doch schon aus Tradition ihren Arbeitstag mit einem Tee und einer Zeitung. „Ich liebe die Südstadt,“ sagt die Frau mit den vielen Locken, „hier wohnen meine Freunde, hier ist mein Büro und meine Wohnung.“
Das Büro in der Wormser Straße ist noch keine Minute Fußweg vom Café entfernt, ein Raum voller Bücher und Zeitungen in einer Bürogemeinschaft. Familienanschluß also auch hier, doch die Journalistin schließt heute ausnahmsweise die Tür. „So, dann haben wir mehr Ruhe. Kaffee oder Tee?“ fragt sie und muss erst einen Cut machen, eine Zäsur vom normalen Arbeitsalltag. Gerade sitzt sie an den Vorstudien zu einem Theaterstück über Jugend-Gangs in Bad Godesberg, interviewt die Reichen und die Armen, erschließt sich zwei Lebenswelten in ein und demselben Stadtviertel. „Das macht großen Spaß, vor allem, weil es für die Bühne aufbereitet wird. So etwas habe ich bisher noch nie gemacht,“ erklärt Müller-Münch und das kann sie nach mehr als 30 Berufsjahren als Journalistin und Buchautorin selten sagen. Erfahrung hat sie in nahezu jedem journalistischen Bereich gesammelt, als Volontärin der Westdeutschen Zeitung saß sie in den Jahren 1975-1981 dem Majdanek Prozeß als Berichterstatterin bei, bei Reuters war sie Korrespondentin, beim STERN Redakteurin, schließlich wurde sie Reporterin bei der Frankfurter Rundschau. Als Autorin ist sie auch heute noch für die FR und die Stuttgarter Zeitung tätig, arbeitet viel für den WDR - mit einem kritischen Blick auf Sozialpolitik und Gesellschaft.
„Ich habe es beruflich oft mit Menschen zu tun, denen es nicht gut geht. Irgendwie ziehen mich solche Themen an,“ verrät die Mutter eines schon erwachsenen Sohnes, die schon früh ihre Leidenschaft für Kriminalromane entdeckte. Somit ist es nur schlüssig, daß sie heute in der beliebten „Telefonischen Mordsberatung“ von WDR 5 an der Seite von Reinhard Jahn und Manfred Sarrazin sitzt. Ingrid Müller-Münch, die nicht gerne über ihr Alter spricht, kann es sich heute erlauben, Themen abzulehnen, bei denen sie keine Begeisterung spürt. Sie mag es sich auch erlauben, ungewöhnliche Themen zu beackern, die sie mit viel Herzblut umsetzen kann. „Engagement für eine Sache, das ist mir wichtig,“ gibt sie unumwunden zu und ist dabei sehr präsent, sehr bei sich selbst. Gezielt setzt sie sich für Soziale Projekte ein, die sie gut findet, sofern dafür eben Zeit bleibt. Daß das Café Sur jetzt umziehen muß, lohnt keinen Protest. „Dann reise ich denen eben hinterher, Hauptsache sie bleiben in der Südstadt“, sagt sie. Klar, Familie ist eben Familie.
Die Uhr tickt, das Faxgerät surrt und Ingrid Müller-Münch schaut auf die Uhr. Sie ist gedanklich schon wieder bei den Kids von Bad Godesberg, zudem will die nächste Mordsberatung vorbereitet werden. Trotz der aufreibenden, oft traurigen Themen ist Ingrid Müller-Münch, scheint es, eine Menschenfreundin geblieben. Eine, die - wenn es sein muß - auch schon mal die Tür zumacht. Um beispielsweise einen guten Krimi zu lesen.
Text von Christina Bacher
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