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Erfolg aus dem Stand
Jolanta Gatzanis
Seit 13 Jahren bietet der Stuttgarter Gatzanis Verlag Titel rund um Sexualität und Partnerschaft

Es gibt sie doch, diese ersehnten „richtigen“ Momente.
Jedenfalls war es bei Jolanta Gatzanis so: Ihr Verlag startete an einem Punkt, an dem die studierte Verlagswirtschafts-Expertin beruflich nach einer neuen Ausrichtung suchte. „Auf einer Geburtstagsfeier drückte mir ein Mann ein Manuskript in die Hand“, freut sie sich noch heute über diesen „Startschuss“, „es ging dabei um männliche Impotenz“, also ein Thema, das 1994 noch nicht populärwissenschaftlich aufbereitet war.

Das Buch von Kurt W. Leuze und Hanjo Schmidt hatte den reißerischen Titel „Der Geist ist willig, doch das Fleisch macht schlapp!“, es ist mittlerweile vergriffen. Gatzanis überzeugte der Inhalt - und sie gründete kurz entschlossen ihren eigenen Verlag. Das technische Rüstzeug dafür brachte sie als erfahrene Herstellungsleiterin in drei Verlagen mit.

Um nun den Titel den eher konservativen Buchhandlungen „von Flensburg bis Garmisch“ zu platzieren, überlegte sich die findige Neuverlegerin eine Strategie. Sie startete mit einer kleinen Einzelkoje von etwa 4 mal 2 Metern auf der Frankfurter Buchmesse, die sie komplett mit dem Thema des Buches quasi tapezierte. Das zog, viele Gespräche entwickelten sich, die Autoren wurden zu allen erdenklichen Talkshows eingeladen.

„Das war ein Tabu-Thema zu der Zeit“, erinnert sich Gatzanis. Auf jeden Fall wurden so viele auf den neuen Verlag aufmerksam, selbst Beate Uhse nahm den Titel ins Programm, wobei sich Gatzanis darüber wunderte, dass es auch Vermarktungswege neben dem klassischen Buchhandel gibt.

Eine Anregung, die ihre PR-Fähigkeiten in eigener Sache ausbauten. Durch die Presseveröffentlichungen entstand Nachfragedruck, was wichtig war, denn viele Buchhändler haben damals - mehr als heute - ihre Arbeit „nicht unter dem Aspekt kaufmännischen Handelns“ gesehen“, erinnert sie sich. Auf Wunsch vieler Buchhändler sorgte sie jüngst auch für einen Relaunch der Website, „die wollten noch mehr Klarheit“. Gatzanis nimmt solche Einwände ernst, sie ist für konstruktive Anregungen dankbar, und dass sie die annimmt, ist ein weiterer Erfolgsfaktor.

Mit dem ersten Titel war auch die Ausrichtung des Verlagsprogramms klar; heute gliedert es sich in die Bereiche „Erlebnis“, „Aufklärung“ und „Seitensprung“. „Der Gatzanis Verlag gibt populäre Büchern zu provokanten Themen heraus“, lautet die Philosophie. Ob Callgirl („ein Thema, das Männer und Frauen - wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen - hochinteressant finden“), Kontaktanzeigen, Fotografie, lesbische oder die Liebe älterer Menschen: Gatzanis erkennt Lücken und Bedürfnisse, traut sich mit jährlich ein bis zwei Neuerscheinungen an schwierige Themen heran.

Mit Erfolg. Gerade erst erschien mit „WOLKE 9“, herausgegeben von Anne Stabrey, das Buch zum Film von Andreas Dresen, der bei den Filmfestspielen in Cannes 2008 mit dem „coup de cœur“ ausgezeichnet wurde. Es geht um Liebe und Sex im Alter und ist ein Plädoyer für Menschen, die ihre Gefühle und ihre Sexualität nicht vom Lebensalter abhängig machen wollen.

Meike Watzlawik schrieb das Erfolgsbuch „... und ich dachte, du bist schwanger!“, in dem Frauen von ihrem Coming-Out erzählen. Gatzanis gelang es, mit „Tatort“-Kommissarin Ulrike Folkerts und Hella von Sinnen zwei prominente Frauen zu gewinnen, die offen zu ihrer Homosexualität stehen: Im Laufe der Zeit habe sie festgestellt, dass prominente Namen ziehen, dabei geht es ihr nicht nur um das jeweilige Buch, sondern auch darum, die Themen in den Vordergrund zu bringen.

Aus der Projektzusammenarbeit mit Ulrike Folkerts entstand mittlerweile eine freundschaftliche Zusammenarbeit, hier kommen auch Gatzanis' im Laufe der Jahre gewachsene PR-Erfahrung zum Tragen: „Folkerts möchte nach mehr als 15 Jahren nicht mehr nur als ,Tatort'-Kommissarin Lena Odenthal wahrgenommen werden“. Weshalb sie das Konzept für das autobiografische Buch, das unter dem Titel „Das macht mich stark“ schließlich 2005 bei Südwest erschien, entwickelten. Folkerts war zudem bereit, viele Lesungen des Watzlawik-Titels zu gestalten, was für den Verlag damit ein wichtiger Publikumsmagnet war.

Der Verlag, PR-Beratung und Produktions-Service rund ums Buch sind die organisch miteinander verzahnten Standbeine des Gatzanis Verlags, der seit diesem Frühsommer einen zweites Standbein in London hat, die Verlegerin pendelt seither zwischen der Metropole und Stuttgart, dem eigentlichen Verlagssitz.


Text: Katharina Knieß (www.tipp-presse.de)

Kontakt:


www.gatzanis.com
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