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Cosmopolitan ist ein heiß umworbener Frauen-Titel - Im Gespräch mit Redakteurin Gerti Samel.
Wer sich mit Gerti Samel unterhält, dem wird schnell klar: Diese Frau schreibt, was sie lebt. „Verwirkliche Deinen Traum!“ (Rowohlt) heißt einer ihrer Ratgeber, „Finde deinen Lebenssinn“ (Kreuz Verlag) ein anderer. Ein richtiger Renner war „Die sieben Tibeterinnen“, das 2003 bei Rowohlt erschien und wodurch sie Ende der 90ger Jahre nicht zuletzt zur Wellness-Expertin beim Bayerischen Fernsehen („Wir in Bayern“) avancierte.
Gerti Samel, „senior editor“ und Ressortleiterin Medizin, Wellness & Genuss bei Cosmopolitan, gestaltete das Frauenmagazin von Anfang an mit. Carola Held, die erste Chefredakteurin, kannte sie bereits aus Springer-Zeiten und holte die Medizinjournalistin nach München. Ein richtiges „Cosmopolitan-Girl“ sei sie gewesen in Gesinnung und Dynamik, „doch ich habe mich mit dem Zeitgeist entwickelt“.
So kamen für sie im Laufe der Zeit immer mehr Ressorts dazu, nicht zuletzt aufgrund immer stärkerer Personaleinsparungen. Neben ihren festen drei Ressorts zeichnet sie zusätzlich für Extras verantwortlich: Ob Astrologie, Orakelspiele, oder Märchen-Tarot, diese Sonderthemen kommen besonders gut an, viele Leserbriefe bestätigen das. Samel erklärt sich das damit, dass gerade erfolgreiche berufstätige Frauen zwischen 20 und 49 Jahren, die Kern-Leserinnengruppe, Interpretationshilfen suchen, dass diese toughen Businessfrauen so ihren Spieltrieb ausleben, auch einmal „das kleine Mädchen“ in sich befriedigen können.
Cosmopolitan wurde bereits 1905 vom amerikanischen Großverleger William Randolph Hearst gegründet und ist heute das weltweit meistverbreitete Frauenmagazin. Seit 1980 erscheint die deutsche Lizenzausgabe bei der Marquard Media AG (MVG Medienverlagsgesellschaft mbH & Co.), derzeit in einer Auflage von 310.451 (IVW, 4. Quartal 2008). Der Inhalt basiert auf den PPS-Ressorts: Partnerschaft, Psychologie und Sex sind die Herzstücke der Redaktion.
Die Beiträge für ihre Ressorts schreibt Gerti Samel alle selbst, sie arbeitet nicht mit freien Autoren zusammen. Hierbei hat sie eine große gestalterische Freiheit, was ihre Arbeit so attraktiv macht, bestätigt sie und freut sich darüber, „dass ich hier über die Themen schreiben kann, die mich bewegen“, auch wenn Kritisches hier nicht gefragt ist. In Redaktionskonferenzen werden Halbjahres-Themenpläne entwickelt, die teils saisonal, aber niemals tagesaktuell geprägt sind.
Wichtig ist es der Redaktion, Trends zu erspüren, denn Lebensformen, die heute in den USA aktuell sind, kommen zeitverzögert auch zu uns, erklärt Samel den Ansatz. Dabei steht in den Berichten Aufklärung ganz vorne - allerdings immer im Spagat mit „schönen Fotos“, ohne die kein Beitrag veröffentlich werden kann und dem Anspruch, weniger problematisch zu sein, als vielmehr „intelligente, geistreiche Unterhaltung“ zu bieten. Schließlich, so die Redakteurin, „stellen wir uns vor, dass die Leserin abends genüsslich in der Badewanne entspannt und sich dabei die Cosmopolitan vornimmt.“
Klar, dass da komplexe Informationen auf den Punkt gebracht werden müssen. Wie etwa bei „Check-Up!“, das in der Februar-Ausgabe in einem knackig zusammengefassten 10-Punkte-Programm wichtige Fragen zu Prophylaxe und Lifestyle beantwortet. Die extrahierte Samel aus dem Buch „Besser leben - länger leben“ von Christoph M. Bamberger, das bei Droemer/Knaur im März 2008 erschienen ist sowie einem Interview mit dem renommierten Hamburger Präventivmediziner. Manchmal, erläutert die Redakteurin, greife sie lieber auf einen Backlist-Titel zurück, wenn aktueller nichts Relevanteres erschienen sei, diesen hohen Qualitätsstandard sei sie ihren Leserinnen schuldig.
Wie nun können sich Verlage bei ihr präsentieren, wie trifft sie ihre Themen- und Titelauswahl? Bei der Optik für die Genuss-Themen scheinen Verlage wie Christian, Gräfe und Unzer, die Collection Rolf Heyne und der AT Verlag immer wieder das richtige Gespür zu besitzen. Bei den Gesundheit und Wellness muss das Thema in die Cosmopolitan-Philosophie („,Prävention' im weitesten Sinne“) passen und „wirklich neu“ sein - oder aber ein älteres Thema einen neuen Aufhänger hergeben. Auch sie müsse in Redaktionskonferenzen nicht selten ihre eigenen Themen der Chefredakteurin Petra Winter mehrmals mit verschiedenen Ansätzen vorschlagen, ehe diese anbeißt.
Ein echtes No-No aber ist es, Produkte redaktionell „verkaufen“ zu wollen. Kürzlich wollte beispielsweise die Pressedame eines Nahrungsmittelergänzungs-Mittelherstellers einen gemeinsamen Kochwettbewerb vorschlagen - unmöglich! PR-Leute sollten das Heft lesen und kennen, ehe sie ihr ins Konzept passende Themen vorschlagen: 98 Prozent der Anrufe und 99% der Post und E-Mails könne sie schlicht niemals unterbringen. Ob diese Informationen aus Unwissenheit oder Dreistigkeit kommen, ist nicht entscheidend - wohl aber, dass ein großer Teil ihres Jobs mittlerweile darin bestehe, abzuwehren, abzusagen und E-Mails zu löschen.
Doch wie können sich Verlage noch ins Gedächtnis rufen? Vielleicht auch, indem sie geeignete Dozentinnen an die „Cosmopolitan Business Academy“ vermitteln? Schließlich ist auch der „Job“-Bereich zunehmend wichtig, neben ernstzunehmenden Karrieretipps bietet die Zeitschrift mit der Akademie (Leitung: Svenja Lassen) eine Plattform, die über das Gelesene hinausgeht. Hier gibt es allerdings eine entscheidende Schwelle: Die Dozentinnen müssen neben ihrer Qualifikation auch optisch und vom Alter her zur Zielgruppe passen, fasst Samel die Bedingungen spontan zusammen.
Seminare gibt Gerti Samel auch, allerdings nicht im klassischen Business-Bereich, sondern dort, wo ihr Herz schlägt, in der Lebensberatung. Ergeben hat sich das aus ihrer Autorinnen-Tätigkeit - und die wiederum hängt eng ihrer Arbeit zusammen, aus der sich ihre Bücher quasi ergeben. In ihren Büchern bringt sie unter, „was ich sonst noch zu sagen habe“, innere Werte und ihr wichtige Botschaften. Gerti Samel ist Überzeugungstäterin, mit Herz und Seele bei ihren Themen.
Ernsthafte Unterstützung ist ihr sicher - nicht nur von Seiten des Arbeitgebers: „Vor einigen Wochen kam mein neunzehnjähriger Sohn aus heiterem Himmel auf mich zu“, erzählt die Alleinerziehende und scheint es immer noch nicht fassen zu können, „er hatte ein Buch von mir gelesen und ausgerufen, „Du Mama, du hast echt gut geschrieben'“. So etwas klingt wie ein kleiner Adelsschlag. Gerti Samel ging das zu Herzen, denn es bestätigt, dass sie mit ihren Themen eine breitgefächerte Zielgruppe anspricht.
Wer übrigens „sein“ Thema, seinen Buchtitel nicht zu Cosmopolitan passend empfindet, dem bietet Marquard Media noch etliche andere Ziel-Redaktionen: Hier erscheinen auch Joy, Shape, Celebrity und Maxim.
Text: Katharina Knieß (www.tipp-presse.de)
Kontakt:
http://www.Cosmopolitan.de
http://www.gerti-samel.de
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