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| Nachgefragt... bei Peter Bosnic |
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Der Hörbuchmarkt verändert sich. Wie Verlage darauf reagieren können, hat Yvonne de Andres für buch-pr.de bei Peter Bosnic nachgefragt.
Peter Bosnic ist kaufmännischer Verlagsleiter bei steinbach sprechende bücher und gehört dem Sprecherkreis des Arbeitskreises Hörbuchverlage an.
Der Verlag steinbach sprechende bücher führt ca. 350 Titel. Die Schwerpunkte des Programms liegen dabei auf zeitgenössischer und klassischer Belletristik; inhaltlich stehen Lebensfragen und Geschichten im Mittelpunkt, die Menschen auch langfristig bewegen.
Was ist die Besonderheit Ihres Verlages?
31 Jahre Erfahrung mit Hörbuch, alle arbeiten mit Herzblut und großem Engagement und die Liebe zum Hörbuch. Alle Hörbücher, die steinbach veröffentlicht sollen Menschen zum Nachdenken anregen, unterhalten und inspirieren.
Wie haben Sie, den Verlag für die Marktveränderungen vorbereitet?
Wir haben unsere Neuheiten um ein Drittel reduziert und schauen sehr genau auf die Hörbücher auf den Markt. Außerdem versuchen wir auch Hörbücher ohne Buchvorlage zu produzieren, um auch damit ein neues Standbein zu schaffen.
Wie schätzen Sie die aktuelle Situation im Hörbuchmarkt ein?
Viel zu viele Anbieter für immer kleiner werdende Flächen im Handel. Konsolidierung auf Anbieterseite. Ein unübersehbarer Preiskampf, der beim Verbraucher den Eindruck vermittelt Hörbücher seien billig. Das ist gefährlich, weil qualitativ hochwertige Hörbücher auch aufwendig und teuer in der Produktion sind. Veränderungen bei den Buchhandelsketten wie Hugendubel machen mir große Sorgen, ist nach wie vor der Buchhandel der größte Abnehmer von Hörbüchern.
Wie hat sich der Trend seit dem ersten Quartal 2009 weiter fortgesetzt?
Die Händler kaufen sehr vorsichtig ein. Als Händler den Markt zu überblicken ist sehr schwierig. Wir planen weiterhin Umsatzrückgänge ein.
Welche Möglichkeiten sehen Sie um die Warengruppe wieder attraktiver zu machen?
Wir brauchen mehr Kunden, das Potential ist nicht ausgeschöpft. Viele Hörbuchverlage versuchen gerade durch Filmhörbücher neue Zielgruppen anzusprechen. Da gibt es gute Ideen!
Außerdem sollten wir für Klarheit im Hörbuchmarkt sorgen und den verunsicherten Hörbuchkäufern das Preisbewusstsein zurückgeben. Hörbuchkäufer sind auch Buchkäufer und der Erfolg eines Hörbuches steht immer im Zusammenhang mit dem Erfolg des Buches.
Steinbach versucht das mit seinem TASCHENHÖRBUCH. Wir übernehmen die Erfahrungen aus dem Buchbereich (erst das gebundene Buch, dann das günstigere Taschenbuch) und benennen unsere Zweitverwertung „Das Taschenhörbuch“. Damit möchten wir Transparenz schaffen.
Mit einer einfachen Verpackung (Pappschuber und Papierstecktaschen) bieten wir dieses besondere Preis-Leistungsverhältnis. Das „normale“ Hörbuch bleibt zum ursprünglichen Preis lieferbar. Der Kunde hat beide Möglichkeiten, wie in der Buchwelt.
Was sind die wichtigsten PR-Maßnahmen für Hörbücher?
Der Arbeitskreis Hörbuch (bündelt die Interessen der Hörbuchverlage im Börsenverein des deutschen Buchhandels) arbeitet an einer bundesweiten Awareness Kampagne. Die Kampagne soll sowohl Personen erreichen die mit dem Medium Hörbuch bisher keinen Kontakt hatten, als auch Hörer verwandter Medien wie zum Beispiel Radio, Hörspiel oder Besucher von Lesungen. Im Focus sollen die Möglichkeiten des Medium Hörbuch stehen und speziell die Möglichkeit über Sprache und Sound Emotionen zu transportieren und Faszination zu erzeugen.
Viele Menschen wissen zwar was ein Hörbuch ist, haben aber noch nie ein Hörbuch gehört. Deshalb ist der Erstkontakt mit dem Hörbuch entscheidend!
Außerdem wird im November die dritte Pressebörse stattfinden. Nach Berlin und München wird in Hamburg ein Forum geschaffen, bei dem sich interessierte Presseleute rund ums Hörbuch und die Neuheiten beraten lassen können. Die bisherigen Börsen waren sehr erfolgreich.
Auf was sollte ein Kunde/-in beim Kauf eines Hörbuches achten?
Hineinhören! Ein Hörbuch steht und fällt mit dem Sprecher. In jedes Hörbuch kann man hineinhören, alle Hörbuchverlage bieten auf ihren Webseiten Hörproben an. Auch die Hörstationen im Buchhandel bieten das. Sicher ist auch das Renommee des Verlags ein Indiz für die Qualität. Ein Verlag, der seit über 30 Jahren nur Hörbücher macht, hat sicher Qualität im Programm.
Nutzung der vielen Rezensionen im Internet ist auch eine Möglichkeit. Vor allem ein Hinweis: Bekannte Schauspieler als Sprecher sind nicht immer ein Qualitätssiegel. Auch unbekanntere Sprecher sind in der Regel ausgebildete Schauspieler und haben exzellente Sprecherqualitäten.
Sie haben im April 2009 gegenüber Buchreport geäußert, dass die Preise den „absoluten Tiefpunkt“ erreicht haben und appellierten an die Branche: „Wir müssen unbedingt wieder echt kalkulieren und nicht nur Billigangebote machen. Ein gutes Hörbuch, eine gute Produktion, ein guter Sprecher, ein guter Regisseur - das kostet eben.“ Wie kann hier eine Strategie bei fallenden Preisen und sinkenden Umsätzen aussehen?
Das was Lübbe mit seinen Preisen macht, ist der richtige Weg. Wir müssen ein neues Preis- und Qualitätsbewußtsein schaffen. Ein Hörbuch ist ein Qualitätsprodukt und das hat seinen Preis. Mit einer groß angelegten Awarenesskampagne könnten wir neue Kunden generieren. Regelmäßige Hörbuchkäufer geben gerne Geld für gute Hörbücher aus. Das sagen die Umfragen. Wir müssen mehr Menschen von der Faszination des Hörens überzeugen, darin liegt meines Erachtens noch ein großes Potential.
Vor einem Jahr sorgte das Engagement der Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten bei den Hörbuchverlagen für Irritationen. Konnte dies partnerschaftlich geklärt werden?
Nachdem die im Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. organisierten Hörbuchverlage die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender aufgefordert haben, das Internet-Angebot der Hörbuchproduktionen, deren Lizenzen an Verlage gegangen sind, auf ein "Streaming", also das Hören von Hörbüchern im Netz, von sieben Tagen zu befristen ist alles noch im Fluß. Die Buch- und Hörbuchverlage haben außerdem darauf hingewiesen, dass im Rundfunk gesendete Verlagsproduktionen nur mit Zustimmung der Rechteinhaber und nur gegen Zahlung einer angemessenen Vergütung in den Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen online gestellt werden dürfen. Dies müsse im Rundfunkstaatsvertrag eindeutig klar gestellt werden.
Zudem verstärke das kostenlose Download-Angebot den Verfall des Bewusstseins für den Wert kreativer Leistungen. Die Hörer seien mittelfristig nicht mehr bereit, Hörbücher im Handel oder über legale, kostenpflichtige Hörbuchportale zu beziehen. Damit konterkariere der öffentlich-rechtliche Rundfunk die zahlreichen Initiativen von Rechteinhabern im Kampf gegen die Internet-Piraterie. Das ist soweit ich weiß der Stand- und wir warten noch.
Welche Bedeutung messen Sie dem HörKules bei? Was hat sich für Sie verändert durch die Vergabe dieses Preises in Köln und die jetzige Partnerschaft mit dem WDR?
Sie meinen sicher insbesondere den Deutschen Hörbuchpreis? Leider haben wir es noch nicht geschafft, diesen Preis in das Bewusstsein der Medien zu tragen- eine Fernsehübertragung beim WDR oder Eins Festival und ein paar Pressemeldungen, das ist wenig.
Marketing wurde leider im Buchhandel nur punktuell für diesen Preis gemacht. Da ist noch viel zu tun. So wie es einen Tag des Buches gibt, sollte es auch einen Tag des Hörbuches geben. Da könnten wir noch viel tun! Sowohl der Handel als auch die Presse könnten das Hörbuch noch sehr viel stärker in den Fokus rücken!
Welches sind die wichtigsten Hörbuchpreise?
Der deutsche Hörbuchpreis finde ich, ist schon der wichtigste Preis, weil er das größte Potential hätte! durch den WDR, den Focus, die Lit Ciologne, den Börsenverein.
Welches ist Ihr persönlicher Bezug zum Hörbuch?
Ich höre Hörbuch in erster Linie beim Autofahren und beim Laufen. Es entführt mich komplett in andere Welten. Ich bin ein absoluter Hörbuchfan- lese aber trotzdem gern!
Welches Hörbuch haben Sie zuletzt gehört?
Ein älteres Hörbuch von steinbach sprechende bücher: Wolfram Fleischhauer, Drei Minuten der Wirklichkeit. Wunderbarer Krimi von Dietmar Mues erzählt, mit Tangomusik und spannend bis zur letzten Minute.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview mit Peter Bosnic führte Yvonne de Andrés, YDEA consulting, Marketing- und Vertriebsberatung für Verlage, Berlin.
www.sprechendebuecher.de
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